Ich bezahle nicht für eine Teilnahme an Ausschreibungen oder ähnliches …

Wer gedacht hat, dass es in der Welt der Schreibenden sauber zugeht, hat falsch gedacht. Auch hier gilt ganz klar, Geld regiert die Veröffentlichung. Und trotzdem muss das hier nicht sein, gerade bei Anthologien.

Eine Anthologie, die aufgrund einer Ausschreibung zusammengestellt wird, beteiligen sich nicht gerade wenige Menschen. Bei kleineren Ausschreibungen in höheren zweistelligen Zahlenbereich, bei größeren Verlagen oder wenn die Thematik Krimi ist, kann man schon im dreistelligen Zahlenbereich rechnen. Füge noch irgendwo das Wort Erotik oder erotisch hinzu und du kannst schon mit vierstelligen TeilnehmerInnenzahlen rechnen (habe ich wirklich mal mitbekommen).

Und das Beste ist, du als AnthologieleiterIn musst noch nicht einmal einen einzigen Finger krumm machen, außer dir eine Ausschreibung ausdenken und sie veröffentlichen (und natürlich den Rattenschwanz an Arbeit danach erledigen). Ich meine damit, dass du nicht verzweifelnd nach Leute suchen musst, die vielleicht und gnädigerweise dir eine Geschichte schreiben. Diese Leute rennen dir die Bude ein und hoffen, dass ihre Geschichte in deiner Anthologie erscheinen.

In dem Sinne ist das ja eine feine Sache. Mach ein wenig Werbung für deine Ausschreibung (einige sehr wohl plazierte reichen aus, denn Ausschreibungen führen sehr häufig sehr schnell ein gewisses Eigenleben und du wirst deine Information an Orte entdecken, an die du noch nicht einmal gedacht hast🙂 ) und dann musst du nur noch abwarten.

Und trotzdem gibt es Verlage und Anthologiegruppen, die für eine Veröffentlichung finanzielle Mittel verlangen. Per se kann man solch ein Verhalten nicht verurteilen, man sollte nur hinterfragen warum das verlangt wird.

Geld bezahlten für eine Veröffentlichung:

Wenn man nicht selber und selber freiwillig in einem BoD Verlag (lulu oder BoD) veröffentlicht, sollte man niemals selber für eine Veröffentlichung bezahlen. Wenn man das jemals einem Verlag erzählt, ich habe für diese und jene Veröffentlichung Geld hingeblättert, wird sich dein möglicherweise nicht mehr so zukünftiger Verlag schon mal fragen, inwiefern du überhaupt selber an deine Texte glaubst, wenn du noch nicht einmal versuchst sie auf den freien Markt anzubieten. Und wenn du schon nicht an deine eigene Texte glaubst, warum sollte dann der Verlag das für dich tun? Sehr häufig kann eine bezahlte Veröffentlichung leider ziemlich in die Hose gehen. Und du wirst nicht gerade deswegen, sondern trotz diesen Zwischenfalls vielleicht von deinem Verlag genommen. Wenn du für eine Veröffentlichung bezahlst, dann bitte nur bei einer Buch auf Bestellung Aktion, die du selber unter Kontrolle hast. Alles andere würde ich persönlich nicht machen. Auch wenn man hunderte von Absagen bekommt, die 1 Zusage danach kommt auch. Übe fleißig und alles wird sich schon richten🙂

Geld für eine wohltätige Aktion:

Da würde ich schon eher sagen, klar, warum nicht. Wohltätige Aktionen können und sollten ruhig unterstützt werden. Aber da stellt sich schon die Frage, kommt das Geld auch wirklich da an, wo es ankommen soll, oder landet es nicht vorher in die eigene Brieftasche. Natürlich kann man die Leute nicht von vornherein verurteilen und sagen, klar, du sammelst für eine Wohltätige Aktion, erzähl mal vom Pferd welcher vor der Apotheke kotzt (das ist übrigens physiologisch nicht möglich, da Pferde wohl ein Schließmuskel im Hals haben, welche es ihnen absolut unmöglich macht, sich wirklich zu übergeben, wenn man als Pferde kotzen sieht, dann hat man wirklich etwas absolut unglaubliches gesehen). Mein Tipp in solchen Fällen: Überlegen ob es dir wirklich wert ist, für eine Veröffentlichung eine Spende zu bezahlen für die Wohltätige Aktion oder ob du nicht gleich das Geld direkt spendest.

Bezahlen Sie doch bitte eine Startgebühr:

Es gibt Ausschreibungen, die gerne Texte einnehmen und dann noch eine Startgebühr. Also, ich sende meine Geschichte zu dem Verlag hin und bezahle dann, zum Beispiel zehn Euro (mit der Summe rechnet es sich gleich leichter), damit meine Geschichte überhaupt überprüft und in die Bewertung eingeht. Damit wird entweder die Veröffentlichung, Lesungen oder sonstige Aktionen finanziert. Eine Garantie für eine Veröffentlichung hierbei gibt es jedoch nicht. Jetzt frage ich mich, warum bitte schön soll ich den Verlag finanzieren, damit er seine tollen Aktionen vornehmen kann und habe am Ende vielleicht noch nicht einmal etwas davon (hei, wir leben im Kapitalismus und ich will schon was für meine Arbeit und finanziellen Aufwendungen was sehen ^^). Und gehen wir mal davon aus, dass bei einer tollen Ausschreibung 10 Leute teilnehmen die alle die zehn Euro Startgebühr bezahlen. Hei, dass macht schon einmal einhundert Euro. Aber Moment, wir machen einfach mal eine Krimiausschreibung daraus (ob da jetzt wirklich mehr kommen, weiß ich nicht, ich behaupte es mal fresch), da kommen dann 100 Leute. 100 mal zehn Euro Startgebühr macht nach Adam Riese und Eva Zwerg immerhin 1000 Euro. Und wir packen nun das Wort Erotik dazu, dann kommen 1000 Leute mit der Startgebühr von zehn Euro. Logischerweise bekommt der Verlag am Ende 10.000 Euro. Für eine Veröffentlichung, die aller Wahrscheinlichkeit noch nach dem Book on Demand Prinzip vorgenommen wird, sind die Kosten schon einige Male wieder drinnen. Denn weiter unten werde ich noch mal meine Rechnung mit den bestellenden Exemplaren aufzählen, was da alles zusammen kommen kann. Und jetzt nehmen wir mal wirklich an, es kommen wahrhaftig 1000 Leute und nehmen an dieser Ausschreibung teil, wer will mir jetzt erzählen, dass die alle in einer oder mehrere Anthologien aufgenommen werden. Ich sage dazu nur o.W. (ohne Worte).

Mindestabnahme von Exemplaren:

Häufig heißt es auch, man habe eine bestimmte Anzahl von Exemplaren zu bestellen, wenn man bei der Ausschreibung teilnehmen möchte. Zum Beispiel fünf, zehn oder auch einhundert Stück (ich komme jetzt gleich zu der Rechnung von mir). Im Grunde genommen ist das auch eine Bezahlung für eine Veröffentlichung. Denn mit diesem Kauf erwerbe ich auch gleichzeitig mein Belegexemplar und die (ich glaube da gibt es sogar ein Gesetz, aber da dürft ihr jetzt bitte nicht nachfragen ^^) steht mir kostenfrei zur Verfügung. Machen nicht alle, gerade Klein- und Kleinstverlage haben damit gewisse Schwierigkeiten, kann ich nachvollziehen, aber viele von denen machen es trotzdem, dass sie dir zumindest ein Belegexemplar zusenden, damit du jederzeit beweisen kannst, ich habe in dieser Anthologie veröffentlicht.

Und außerdem möchte ich an dieser Stelle eine grob vereinfachte Rechnung vorstellen, die zumindest mir klar macht, dass diese Bestimmung eher schwachsinnig ist. Denn ich würde aller Wahrscheinlichkeit bei jeder Veröffentlichung folgende Anzahl von Exemplaren meiner eigenen Veröffentlichung bestellen:

(Ich gehe übrigens davon aus, dass ich ein Belegexemplar geschenkt bekomme, daher sind alle Exemplare die ich in der folgenden Rechnung bestelle auch Exemplare für die ich auch bezahle.)

Zumeist bestelle ich für meine Eltern mindestens ein Exemplar wenn sie in einem Haushalt leben, zwei Exemplare, wenn sie geschieden sind und vor allem, wenn ich nicht mehr zu Hause lebe. Immerhin sind meine Eltern stolz wie Bolle und immer wenn Besuch kommt ist aller Wahrscheinlichkeit die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass allen gezeigt wird, was Kindchen veröffentlicht hat. Ich bin mal so frei und bestelle für meine Eltern jeweils ein Exemplar.

Dann kommen noch die Geschwister hinzu. Egal ob ein Geschwister (klingt komisch ist grammatikalisch aber richtig) oder mehrere, alle bekommen ein Exemplar. In meinem Fall sind es zwei, also haben wir vier (auch wenn ich nicht weiß ob sie es wirklich lesen bzw. überhaupt haben wollen).

Ich gehe weiterhin davon aus, dass meine beiden besten Kumpels/Freunde und meine beiden besten Freundinnen jeweils mindestens ein Exemplar haben möchten (ja, ihr seht, ich führe ein trauriges reales Leben ^^). Das macht noch einmal vier Exemplare. Vier plus vier macht inzwischen acht Bücher, die ich bestellt habe.

Dann möchte ich meinen besten, virtuellen Freundinnen und meinen Brieffreundinnen ein Exemplar schenken. Tun wir einfach mal so, dass es weitere vier sind und ich habe ein Dutzend Bücher gekauft ohne auch nur einen einzigen Finger wirklich krumm zu machen.

Gehen wir davon aus, dass jedes Buch zehn Euro kostet, dann hat der Verlag an mir alleine für Geschenkexemplare 120 Euro abzüglich des Autorinnenrabatts verdient (beträgt 25 Prozent). Das wären ca. 30 Euro, macht also ein Verdienst für den Verlag von 90 Euro (Verdienst ist ungleich Gewinn natürlich).

Und ich bin ja immer noch nicht fertig. Immerhin möchte ich mindestens ein oder zwei Exemplare haben, die ich dann herumzeigen kann, wenn jemand nicht glauben möchte, dass ich wirklich etwas veröffentlicht habe oder damit ich diese sofort verschenken kann. Weiterhin werde ich aller Wahrscheinlichkeit für meine Anthologien Werbung machen und da können auch noch einige Exemplare über die Ladentheke gehen. Man kann also sagen, ich kann für den Verkauf von zwanzig Exemplaren sorgen. Also 200 Euro abzüglich der 25 Prozent macht das ein Umsatz von 150 Euro.

Weiterhin werde ich ja Werbung machen, damit noch mehr Exemplare über die Bühne gehen um auch einfach mein Bekanntheitsgrad ein wenig zu steigern (hättet ihr jetzt etwas anderes gedacht?).

Aber Moment, wir sind immer noch nicht fertig. Wenn ich also mit den zwanzig Exemplaren einen Umsatz von ca. 150 Euro verursache, bedeutet das noch lange nicht das Ende der Fahnenstange. Ich bin ja nicht alleine in der Anthologie vertreten.

Gehen wir einfach mal davon aus, wir sind zehn Leute, die mit jeweils einer Geschichte vertreten sind. Und wir alle Sorgen dafür, dass zwanzig Anthologien ohne größere Anstrengungen verkauft werden. Was macht zehn Personen mal zwanzig Exemplare? Richtig: 200 Exemplare. Und pro zwanzig Exemplare habe ich ja ein Umsatz von 150 Euro generiert. Also, was machen 150 Euro mal zehn Personen, die dafür Sorgen, dass die 200 Exemplare verkauft werden? Genau 1500 Euro.

Und wir sind immer noch nicht fertig. Immerhin wird der Verlag auch Werbung machen (und wenn man an der Tantiemenausschüttung nicht beteiligt ist, behält er nicht nur den Umsatz sondern auch den Gewinn) und indem ich stolz zeige, was ich veröffentlicht habe, mache ich auch weiter Werbung und am Ende werden sich immer wieder mal Exemplare verkaufen.

Jetzt mutet es natürlich komisch an, warum ich gegen die Bedingung bin Exemplare als Veröffentlichungsgrund zu kaufen, wenn ich doch eh circa zwanzig Exemplare kaufen werde (voraussichtlich, immerhin ist das hier eine Beispielrechnung und es könnten mehr aber auch weniger sein). Ganz einfach, ich bezahle damit meine eigene Veröffentlichung. Wenn ich schon von vornherein eine gewisse Anzahl von Exemplaren kaufen werde (und damit rechnen die Verlage natürlich), dann muss ich das nicht als Bedingung einsetzen. Ich bin eben nicht bereit für eine Veröffentlichung in jeglicher Art und Weise zu bezahlen, wenn es von vornherein aller Wahrscheinlichkeit klar ist, dass ich Exemplare kaufen werde.

Immerhin ist bei Veröffentlichungen nicht immer gegeben, dass ich neben einem Belegexemplar überhaupt irgendwelche weitere Vergünstigungen erhalten werde (also Tantiemen, Autorinnenrabatt oder sonstiges). Meistens heißt es auch, sie kriegen ihr Exemplar und danke das sie an unserer Ausschreibung teilgenommen haben, besuchen sie uns doch bald wieder.

Natürlich muss jedeR selber entscheiden unter welchen Bedingungen man die eigene Geschichte veröffentlichen möchte. Ich habe meine Entscheidung getroffen und werde Ausschreibungen meiden, die von mir ein Startgeld oder eine Mindestabnahme oder eine Beteiligung an der Veröffentlichung verlangen. Wenn ich ein Verlag gründe und der Meinung bin Ausschreibungen durchzuführen (was natürlich auch für eine gewisse Form der Werbung steht), dann muss ich auch von der Idee bis zur Werbung nach der Veröffentlichung entsprechend meine Arbeit leisten. Alles andere wäre für mich persönlich nicht tragbar, weil ich mich dann schon fragen müsste, bin ich wirklich ein Verlag?

In dem Sinne Augen auf bei der Suche nach Ausschreibungen.

2 Kommentare

  1. 27. Dezember 2009 um 20:36

    Hallo Stadthexe!

    Man kann generell sagen: Eine Kurzgeschichte ist Arbeit und Arbeit soll entlohnt werden. Dass für kurze Texte nur selten Geld bezahlt wird, weil es sich einfach finanziell für den Verleger nicht rechnen würde, ist klar. Aber ein Belegexemplar MUSS immer drin sein. Und ein Autorenrabatt für weitere Bücher ebenso.

    Alles andere würde ich unter „unseriös“ einordnen. Niemals zahlt ein Autor Geld an einen Verlag (außer er verlegt sich selbst, z.B. via Book on Demand), sondern IMMER bekommt der Autor ein Honorar für seine Arbeit (egal ob in Geldform oder nur ein Belegexpemplar).
    Wie soll ein Verlag ein Buch verkaufen, wenn er selbst nicht an seinen Erfolg glaubt (nur so ist zu erklären, warum Verleger Zuschüsse von den Autoren verlangen- abgesehen von Bereicherung;)).

    Ich kann mich deinem Schlusssatz nur anschließen: Augen auf auch bei Ausschreibungen!

  2. 28. Dezember 2009 um 18:32

    @ Schreibprojekt (ich kann mir schon fast denken, wer sich dahinter verbirgt ^^)

    So sehe ich das auch. Es gibt natürlich verzweifelte AutorInnen die sich irgendwann sagen, menno, alles doof, keine Veröffentlichung, dann bezahle ich eben dafür, damit ich wenigstens eine Veröffentlichung vorweisen kann.

    Und genau damit spielen leider zu viele Verlage, weil sie genau um diese Frustrationen wissen. Durch die letzten Absagen bin ich auch ein wenig frustriert, ich gestehe. Aber ich schreibe lieber so lange weiter, bis ich endlich den Knoten gelöst habe und ich eben meine nächste faire Veröffentlichung feiere🙂

    lllg
    erdwurzel


Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: