Charaktere kennenlernen

Wer eine längere Geschichte schreibt, hat es mit mindestens einem Charakter zu tun (wer die Wand von Marlen Haushofer gelesen hat, weiß was ich meine mit einem Charakter). Bei einer Kurzgeschichte sollte man schon einen Charakter einigermaßen gut kennen. Denn immerhin möchte man mit dieser Figur einige Seiten füllen (meistens ist die Mindestanzahl zwei Seiten). Aber hier ist es nicht so schlimm, wenn man nicht genau weiß, wann sich die Figur das letzte Mal in den Finger geschnitten hat.

Schreibt man aber mindestens ein Geschichte von der Länge eines Romans, sollte man die Figuren besser kennen (eben wann sich dein Charakter das letzte Mal in den Finger geschnitten hat). Und wenn du dann noch eine Reihe schreibst, spätestens dann ist es von besonderer Wichtigkeit. Denn in einem Roman muss man schon vieles über die Figur preis geben, damit diese interessant wird. Aber in einer Reihe bleibt es nicht aus, ihr/ihm am Ende die Unterhose vom Leib zu reißen.

Hier führe ich mal die eine oder andere Idee auf, damit man die eigenen Charaktere besser kennen lernen kann. Davon sind nicht alle von mir. Wenn ich weiß, wer mit der Idee als erstes angekommen ist, schreibe ich hinzu. Und wenn ich es nicht weiß, dann stehe ich dazu ^^ (sollte aber jemand wissen, woher die entsprechende Idee stammt, ich freue mich aufgeklärt zu werden).

Der Steckbrief:

Ich denke mal fast, dass man zu den Steckbriefen nichts mehr sagen braucht. Denn so gut wie in fast allen Büchern zum Thema, wie schreibe ich eine Geschichte, wird empfohlen für die Figur ein Steckbrief zu erstellen. Gerade wer sich mit Rollenspielen beschäftigt, weiß wovon ich rede.

In einem Steckbrief werden die wichtigen Grunddaten einer Figur aufgenommen. Angefangen vom Alter, Aussehen, Vorzüge, Schwächen und so weiter. Wichtig hierbei ist aber, nicht nur irgendetwas auszufüllen, damit in einer entsprechenden Spalte etwas steht. Sondern man sollte etwas dahin schreiben, damit man den Charakter besser kennen lernen kann.

Wenn deine Figur nichts mit Nudeln anfangen kann, wird sie/er aller Wahrscheinlichkeit keine Spaghetthis als Leibgericht haben wollen. Und wenn doch, dann überlege dir hier, warum das so kommt.

Versuche in allem einen Grund zu erkennen. Denn man isst nicht umsonst Spaghetti allzu gerne. Hat deine Figur besondere Erinnerungen an dieses Essen oder warum mag deine Figur besonders dieses Essen (und ich sollte endlich mal aufhöre vom Essen zu reden).

Oder warum mag deine Figur das Buch, was du als Lieblingsbuch eingetragen hast?

Das ganze kann durch den ganzen Steckbrief gehen. Natürlich musst du nicht alles bis ins kleinste Detail analysieren. Aber besser wäre es.  Denn wenn du das nicht tust, wie willst du dann über die Figur schreiben?

Lebenslauf:

Auch eine Figur hat eine Lebensgeschichte, eine erfundene natürlich, aber sie ist vorhanden. Und je älter dein Charakter ist, desto länger ist auch der Lebenslauf. Die ganze Geschichte fängt mit der Geburt an und hört kurz vor dem Beginn deiner Geschichte auf.

Natürlich müssen dort alle Wendungen und wichtige Begegnunen aufgezeichnet werden. Wann hat deine Figur welchen Job angenommen, geheiratet, Kinder bekommen.

Je mehr du über das Leben deiner Figur weißt, desto eher kannst du auch sehen, was für ein Charakter diese ist.

Man kann den Lebenslauf auf zwei Arten schreiben (und ich persönlich empfehle, beide Arten zu nehmen). Und zwar einmal als fortschreitende Geschichte, welche eben auf die (fiktiven) Daten deiner Figur beruhen. Oder als Zeitlebenslauf.

1999 hat deine Figur dieses oder jenes getan

2912 dann welches und delches.

So weißt du dann genau, was deine Figur wann gemacht hat.

Kleiner Tipp: Das ist besonders interessant für Leute, die eine Reihe schreiben. Notiert euch die Daten in euren Geschichten, wann was eure Figuren gemacht haben. Das würde ich auf eine Extraseite machen. Aber so kann es nicht passieren, dass du einen chronologischen Fehler einbaust und die Figur an einem bestimmten Tag einen Mord aufklärte und zwei Bücher später war der Charakter dort schwimmen.

Kurzgeschichten:

Meines Wissens nach habe ich die Idee nirgends gelesen, aber ich kann mir gut vorstellen, dass viele diese Idee haben.

Und zwar passiert es immer wieder mal, dass man in einem Roman (als Beispiel) zu viele Nebensächlichkeiten schreibt. Da wird erzählt, wie die Figur den Tag verbringt (ja, genau das ist mir bei meinem Kapitel 1 passiert, war schon eine interessante Sache zu erfahren, dass ich damit nicht alleine bin) und wie sie/er die Zähne putzt, die Katze füttert und all diese Dinge.

So etwas kann passieren und so etwas passiert. Und so etwas kann genutzt werden. Anstatt über diese Alltäglichkeiten in deinem Roman zu schreiben, kannst du das Medium Kurzgeschichte nutzen um über den größten Blödsinn zu sinieren, welche für das kennenlernen deiner Figuren wichtig ist, aber in keinen guten Roman gehören.

Ich nenne das selber spontane Kurzgeschichten. Denn ich schreibe einfach drauf los ohne mir Gedanken über Plot und Spannung zu machen. Im Leben geschieht es nun öfters mal, dass man in den Tag hinein lebt ohne das es gleich suuuuperspannend wird. Aber man weiß ebend, wie lange die Figur braucht um sich die Zähne zu putzen und welche Rituale sie/er pflegt.

Daher habe ich mir ein Notizbuch gegönnt und schreibe nun alles rein, was mir zu den Figuren an Kurzgeschichten einfallen. Dabei achte ich nicht auf Rechtschreibung, Satzbau oder Logik. Wenn ich mir mal die Mühe mache und die Geschichten abschreibe, ist das etwas anderes. Aber in diesem Buch tobe ich mich aus.

Kurzgeschichten zu zweit:

Okay, der Titel mag ein wenig verwirrend klingen, aber lasst es mich kurz erklären. Diese Idee habe ich, wenn ich mich nicht irre, von Elizabeth George.

Und zwar überlegt man sich folgendes. Eine wichtige Figur, zum Beispiel euer Hauptcharakter und eine andere Figur, vielleicht der/die Hauptgegnerin müssen in einem Raum sein (die Begründung könnt ihr auch gleich in der Geschichte mitliefern). Und in der Geschichte geht es nun darum, was passiert zwischen den beiden Figuren. Mögen sie sich, streiten sie sich, gehen sie sich an die Gurgel und so weiter.

Und hier kommt etwas verschärftes von mir: Was ist, wenn beide Figuren (gerade interessant, wenn sie sich nicht leiden können) miteinander arbeiten müssen? Zum Beispiel sind sie auf einem sinkenden Schiff und um gerettet zu werden, müssen sie kooperieren. Wie geht das aus? Können sie das überhaupt und so weiter.

Solche Sachen können wichtig sein um zu klären, was passiert, wenn beide Figuren im Roman aufeinander treffen. So weiß man, wie sie reagieren und wie sie reagieren würden, wenn sie aufeinander angewiesen wären und so weiter.

Tagebuch schreiben:

Die Idee stammt von James N. Frey (das ist der Autor, der Bücher wie „Wie man ein verdammt guten Roman schreiben kann“ schrieb).

Es geht dabei darum, ein Tagebuch zu schreiben um zu lernen, mit welcher Stimme die Figuren sprechen. Es geht nicht darum, dass man über alltägliche Sachen schreibt sondern über aufregende, spannende, philosophische und ähnliche Dinge. Für die alltäglichen Sachen habt ihr die Spontankurzgeschichten.

Mir fällt dazu noch ein, dass ihr auch ein Romantagebuch schreiben könnt, wenn ihr wollt. Während ihr eure Geschichte/Roman schreibt, könnt ihr nebenbei noch ein Tagebuch für die wichtigen Hauptcharaktere schreiben (für alle anderen wäre das dann doch zu viel) und zeigen, was die Figur sich dabei gedacht hat (gerade wenn ihr aus einer anderen Perspektive schreibt). Ich muss zugeben, dass ist mir gerade eingefallen, daher kann ich da keine konkreten Erfahrungsberichte geben, ob das funktioniert.

Aber ich kann mir vorstellen, dass man dann dadurch Feinheiten sieht oder inspiriert wird, zu denen man vorher noch keinen Kontakt hatte. In diesem Fall heißt es einfach mal ausprobieren.

So das waren meine Anregungen. Natürlich kann man das alles mit dem Tarot unterstützen (wer jetzt erwartet hätte, dass ich ein Schreibbericht ohne Tarot auskomme hat sich geschnitten, aua). Letztendlich heißt es aber, man muss sich eben hinsetzen und schreiben. Sonst bringen die besten Tips nichts.

In dem Sinne, ich schreibe mal ein wenig 😉

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: