Raus aus meiner Privatssphäre

Es gibt Phänomene in der esoterischen Welt, die mir regelrecht die Haare zu Berge stehen lassen, aber teilweise als normal gelten oder unter dem Deckmantel „Ich übe mal ein wenig“ verborgen werden: Eindringen in die Privatssphäre.

Ich weiß nicht, was euch so passiert ist, aber bei mir hat man schon die Energie angezapft, meine Aura gelesen, meine vergangenen Leben analysiert und mein aktuelles Leben auseinandergenommen. Und ich sitze dann da und denke mir, was will die Person jetzt von mir und dann dämmert es mir, die Person analysiert mich und nimmt mich auseinander, als sei ich ein Frosch im Biologieunterricht, dass seziert werden darf.

Und ich muss zugeben, dass macht mich sehr ärgerlich.

In matriarchalischen Gesellschaften gibt es keine Privatssphäre und dementsprechend muss da auch nichts beschützt werden, bzw. alle haben einen verbindlichen Verhaltenscodex, den alle kennen und an die sich alle halten. Morgens werden die Träume erzählt, Mittags mag es dann sein, dass man berichtet, was man für den Rest des Tages plant und all diese Dinge.

Aber wenn sich diese Menschen zurückziehen, dann wird es respektiert. Person X will Ruhe? Dann bekommt Person X auch die gewünschte Ruhe.

In der westlichen Welt hat man einen anderen Codex, was mein ist, ist mein und da hat niemand etwas zu suchen. So schlimm bin ich in dieser Hinsicht nicht. Da wir nun einmal in einer Welt leben, in der es ein paar Milliarden Menschen leben, kann man sich beim besten Willen nicht allen Milliarden Menschen auch öffnen. Das geht nicht. In meinem kleinen Kreis, mein Dorf wenn ich das mal so sagen darf, habe ich kaum Geheimnisse vor den anderen. Wenn man mich etwas fragt, erzähle ich es. Wenn nicht, ich gehöre nicht zu den Leuten, die sich aufdrängen muss um den Leuten auch wirklich alles zu offenbahren. Das ist mir persönlich dann doch sehr unangenehm.

In der Reikiecke wird ab und an gesagt, sende den Leuten Energie, auch wenn sie nichts davon wissen, es ist egal, Hauptsache es hilft ihnen (so oder zumindest so ähnlich). Das grenzt inzwischen in meinen Ohren schon ganz schön nah an Arroganz. Ich entscheide wer Energie bekommt und wer nicht.

Gut, natürlich bin ich diesbezüglich kein Unschuldsengel, ich habe das auch mal gemacht. Einmal um genau zu sein. Ich habe aus dem Telefonbuch eine x-beliebige Person herausgesucht und im Rahmen einer Übung dieser Person Energie geschickt. Die wurde übrigens nicht angenommen, weil die Person dafür nicht bereit war und dementsprechend hat das nichts gebracht.

Das ist eine Sache, aus der ich inzwischen meine Schlüsse gezogen habe und vor allem, die ich selber nie wieder machen werde.

Denn in meinen Augen gibt es drei verschiedene Arten von eindringen in die Privatssphäre. Einmal die unverschämte, die nicht zweckmäßige, die arrogante Art des eindringens.  Dann gibt es die erlaubte Art des Eindringens. Mein Dorf (also die Gruppe von Menschen, die ich um mich habe) darf jederzeit zu mir kommen und ich zu ihnen und wir teilen alles. Und dann das notwendige eindringen. Wenn etwas in der Privatssphäre geschieht, was niemand sehen darf aber alle sehen sollen, weil Leben in irgendeiner Gefahr ist, dann muss man eben eindringen, egal ob man es eigentlich darf oder gesellschaftlich geächtet wird (wobei das mit der Gesellschaft eh so eine Sache ist, immerhin ändern sich regelmäßig ihre Ansichten, spätestens mit der nächsten Generation).

In dem Sinne, ich kann nicht allen Menschen erlauben in meine Privatssphäre einzudringen. Dafür gibt es einfach zu viele Menschen in meiner Umwelt. Mein Dorf hingegen lasse ich hinein, wenn sie es wünschen (es gibt in dieser Gesellschaft auch Menschen, die sich von selber zurückhalten). Aber um in meine Privatssphäre eindringen zu dürfen, muss man ein Teil meines Dorfes sein. Das kann schnell gehen, man fliegt aber in dieser Gesellschaft auch schnell raus, wenn man sich wie einE IdiotIn benimmt.

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2 Kommentare

  1. Alruna )O( said,

    23. August 2009 um 18:12

    Ich finde, grade im Netz sollte die Privatsphäre schon etwas geschützt werden. Man weiß nie, was ein anderer mit den Daten anfängt oder wer überhaupt mitliest. Gestern stand bei uns in der Zeitung, dass Arbeitgeber schon im Internet recherchieren, ob der Bewerber nicht vielleicht das falsche Weltbild im Internet vertritt. Vielleicht bin ich da aber auch paranoid, weil eben so viel von Datenmissbrauch in den Medien kommt und ständig gewarnt wird davor, Fotos von sich ins Netz zu stellen.

    • 23. August 2009 um 18:15

      In erster Linie werden Partybilder wohl unter die Lupe genommen. Was mich dabei eben nur sehr genervt hat, war das ungefragte abtasten.

      Aber sonst hast du recht 🙂


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