[Kurzgeschichte] Der Mond

Hier ist eine Kurzgeschichte von mir, die ich eigentlich für eine Ausschreibung geschrieben habe. Da mir aber die Zeit ein wenig zu eng wurde, habe ich sie nicht abgeschickt, sondern veröffentliche sie hier spontan. Ich habe die Geschichte nur auf Füllwörter überprüft, sonst habe ich keine weitere Überarbeitungen vorgenommen.

Trotzdem, dass Urheberrecht liegt bei mir 🙂

Jason saß im Garten und schaute zum Vollmond hoch, wie er am Nachthimmel hing und er hatte das Gefühl, dass er zu ihm herunter lächelte. Der Teil seines Gehirns, was auf Realismus und Vernunft gepolt war, lachte über diese Gedanken. Ein Mond war ein Felsklops im Universum, welche sich um die Erde drehte. Und dieser gigantische Stein sorgte unter anderem dafür, dass die Ebbe und Flut entstehen und auch das die Haare mal schneller und mal langsamer wuchsen. Glaubte Jason zumindest. Seine Tante hatte ihm mal etwas erzählt. Und sie war es auch, die einen Schreianfall bekam, als der Arzt ihn zu der Zeit des abnehmenden Mondes operieren wollte. Angeblich wäre die Wundheilung dann schlechter gewesen. Sie hatte seine Mutter verrückt gemacht, dass er erst zwei Wochen später, als sich der Mond in der zunehmenden Phase befand, operiert werden durfte.

Das war vor einem Monat gewesen und Jason erholte sich noch davon. Er durfte nach Hause und genoss die schulfreie Zeit. Der Teil seines Gehirns, welche auf Fantasie und Tagträume eingestellt war, hatte ihm ganz schön das Leben in der Schule vergält. Man hielt ihn für einen Spinner, einen Verlierer, einen debilen Schwulen. Als er sie gefragt hatte, was diese drei Dinge mit ihm zu tun hatten, um ihnen zu zeigen, dass ihre Vorurteile debil waren, wurde er zusammengeschlagen. Eine Träne rollte ihm übers Gesicht, weil sein sogenannter bester Freund mitgemacht hatte. Und das nur, weil er ihm gestanden hatte, dass er ihn anziehend fand. Jason hatte nicht vorgehabt mit ihm eine Beziehung anzufangen. Er wollte ihm seine Gefühle klar machen. Nicht mehr und nicht weniger. Am Ende hatte er einige gebrochene Knochen und Blutergüsse gehabt.

Er verdrängte die Gedanken, er wollte nicht weinen. Davon hatte er genug. Da wollte er lieber den Mond anschauen und sich überlegen, wie es wäre, dort zu leben. Unabhängig der Tatsache, dass es dort oben keine Atmosphäre gab. So ganz alleine, einen so großen Planeten zu bewohnen, niemanden treffen, mit niemanden reden müssen, dass wäre interessant, wie ein Eremit zu leben. Wenn man ihn wirklich fragen würde, ob er da oben leben wollte, aller Wahrscheinlichkeit hätte er nein gesagt. Es gab auf der Erde Dinge, auf die er nicht verzichten wollte. Seine Bücher, seine Stifte und seine Videospiele.

Jason schloss die Augen und genoss den leichten Windhauch, der über die weiten Felder wehte. Seine Eltern haben ihn zu den Großeltern aufs Land gezerrt, damit er sich ausruhen konnte. Seine Großmutter war nett, wenn sie ihn nicht andauernd füttern wollte. Und der Großvater musste ihm dauernd vom Jagen und ähnlichen Horrorgeschichten erzählen. Als ob er nicht genügend Probleme hatte. Als er draußen im Garten saß, da war er froh an diesem Ort zu sein. Zumindest solange man ihn in Ruhe ließ.

Auf einmal hörte er jemanden in der Ferne. Er verzog den Mund. Es konnte zu dieser späten Stunde nur der Nachbar sein, welche einige Straßen weiter ein kleines Feld bewirtschaftete. Leider schaute er zu tief ins Glas und stank immer nach Rum. Wie es sich für einen guten Enkel gehörte, wollte er die Nervensäge begrüßen und reinführen. Als er aber nicht den Nachbarn sondern eine schimmernde Gestalt sah, glaubte Jason zu träumen. Dem Weg kam ein Mann entlang, der so weiß war, wie … wie … wie der Mond. Ihm fiel kein besserer Vergleich ein. Für ihn war das der beste Vergleich. So weiß wie der Mond und er leuchtete so hell wie dieser. Das war verrückt. Es konnte nicht anders sein, er musste eingeschlafen sein und eine dieser, wie nannte seine Tante das, luzide Träume haben. Denn er war sich bewusst, dass er träumte. Glaubte er zumindest. Jason kniff sich in den Arm und es tat weh. Zu weh um ein Traum zu sein. Das war verrückt. Es konnte nicht sein, dass ein Mann so weiß und hell war wie ein Klumpen im All.

Der Mann kam direkt auf ihn zu und es schien ihn nicht zu interessieren, dass er durch einen Gebüsch, über einen Zaun und dann durch, nein über einen Teich laufen musste. Jason wollte wegrennen, bloß weg von diesem Irren, der nicht von dieser Welt kommen konnte. Niemand konnte übers Wasser gehen. Zumindest kein richtiger Mensch. Seine Beine verweigerten ihm den Dienst. Und die Nähte, welche er noch von der Operation hatte, würden platzen und er würde verbluten. Glaubte Jason zumindest.

Was sollte er bloß tun? Die nackte Angst ergriff ihn. Sein Atem ging schneller und der erste Schweiß lief an seiner Stirn herab. Noch immer wollten ihm seine Beine und Füße nicht gehorchen. Seine vernünftige Gehirnhälfte schrie ihm zu, dass er endlich seinen Arsch bewegen sollte. Es wäre sonst zu spät. Und seine träumerische Seite sagte ihm, er würde erst losrennen könne, wenn es zu spät war. Also solle er sich damit abfinden.

„Hallo, bist du Jason“, fragte der Typ ihn, als er direkt vor ihm stand. Jason konnte sein Körpergeruch deutlich wahrnehmen. Es war angenehm und beruhigend. Und das machte ihn nervös. Zumindest hätte es, wenn nicht der Stress ihn auf einmal komplett verlassen hätte. Sein Bedürfnis wegzurennen, sich zu verstehen, Hilfe zu holen oder wegzukommen, das war komplett verflogen. Er fragte sich kurz, warum er überhaupt von dem Mann weg wollte. Da meldete sich seine vernünftige Gehirnhälfte. Der Kerl war weiß wie der Mond und roch ungewöhnlich. Wenn das nicht gute Gründe waren um sich auf und davon zu machen.

„Ich bin Jason“, antwortete er dann. Spätestens jetzt gab das bisschen Vernunft von Jason auf und warf das Handtuch. Wer so dumm war und mit dem Typen sprach, hatte es verdient gefressen zu werden.

„Ich möchte dich fragen, ob du nicht Lust hast mitzukommen“, fragte der Mann dann. Noch einmal versuchte seine Vernunft die Oberhand zu gewinnen und Jason davon abzuhalten etwas Dummes zu tun.

„Gerne.“ Jasons Vernunft suchte nach einer Schnur um Selbstmord zu begehen.

Der Mann, dessen Namen Jason immer noch nicht kannte, nahm seine Hand und gemeinsam verließen sie den vertrauten Garten. Er verspürte keine Angst, nicht einmal Sorgen, er könnte mit ihm etwas anstellen, was nicht sein durfte. Seine träumerische Seite sagte ihm, dass alles gut sein würde, worauf seine Vernunft nur noch aufstöhnte. Er hatte alles aufgegeben, sogar seine Selbstmordgedanken, setzte sich in die Ecke und schmollte, weil man ihn regelrecht ignorierte.

Jason schaute seinen Begleiter an und er hatte das Gefühl, dass er dem schönsten Mann der Welt ansah. Perfekte Gesichtslinien, lange Haare, einen eleganten Körperbau und tolle Klamotten. Genauso stellte er sich den idealen Lebenspartner für sich vor. Seine Hand, sie fühlte sich unendlich weich an, als habe er noch nie schwere Arbeit erledigen müssen. Nie Gemüse geputzt oder Holz gehackt. Vielleicht hat er noch nicht einmal einen Text geschrieben. Das schreckte nicht ab. Im Gegenteil, es erregte seine Neugierde. Hatte er wirklich noch nie körperlich Arbeiten müssen oder besaß er nur eine verdammt gute Handcreme? Und womit verdiente er sein Geld um sich die tollen Klamotten zu leisten? Oder das Parfüm, was so gut roch?

Als Jason es schaffte seinen Blick von diesem wahnsinnig tollen Kerl abzuwenden, blieb er abrupt stehen. Wo immer er sich befand, er war nicht mehr auf dem Feld seiner Großeltern. Er war nicht einmal in der Nähe des Landes, wo er sich befinden sollte.

„Wo sind wir hier“, fragte er und seine Vernunft rief ihn zu, dass er zusehen sollte, wie er klar käme. Er wollte ja nicht auf ihn hören.

„Du wirst es mir nicht glauben, wenn ich es dir erzähle“, antworte der Mann an seiner Seite.

„Wenn du es nicht probierst, kannst du nicht wissen ob ich dir nicht glaube, oder?“ Vernunft lachte und war stolz auf seinen Einsatz.

„Wir sind auf dem Mond.“ Jason wusste nicht ob seine Vernunft sich jetzt die Kugel gab, er stand zumindest kurz davor. Mit was für einen Typen war er losgezogen? Auf dem Mond? Dem Klumpen im All, welche er gerade noch vor wenigen Minuten angeschaut hatte? Das Ding, was für Ebbe und Flut sorgte und keine Atmosphäre hatte? War er in einer Zeichentrickserie gefangen?

Jason schaute sich um und er sah eine riesige Blumenwiese vor sich und hinter sich und zu allen Seiten. Keine Bäume oder Sträucher. Und keine Sonne. Wo war die Sonne? Und wenn sie nicht da war, wieso war es so hell?

„Wir befinden uns auf der dunklen Seite des Mondes. Hier scheint keine Sonne“, antwortete er, als ob er Jasons Gedanken lesen konnte. Da wurde Jason zurückhaltend. Angeblich befanden sie sich auf dem Mond. Wer wusste ob der Kerl nicht wirklich seine Gedanken lesen konnte. Und obwohl er das Gefühl hatte mit einem Verrückten unterwegs zu sein, er konnte nicht seine Hand los lassen. Seine Beine wollten ihn noch nicht davon tragen. Was war los mit ihm? War er wirklich so ein Verlierer und debil, dass er mit jedem durchbrannte, der ihm nicht die kalte Schulter zeigte? Was für ein Idiot war er eigentlich? Seine Vernunft gab ein Grummel von sich. Er hatte ihn wohl schon aufgegeben.

„Warum hast du mich hier her gebracht?“ Seine rechte Hand berührte Jasons Gesicht.

„Ich liebe Dich, ich möchte, dass du bei mir bleibst und mit mir lebst“, sagte er. Das war wie ein Traum. Es konnte nicht wahr sein. Niemand sagte so etwas einfach so. Nicht beim ersten Treffen und bestimmt nicht zu einem wie Jason. Es gab Dinge, die geschahen nicht einfach so. Und das gehörte dazu.

Auf einmal spürte er seine Beine und wie sie ihn über die ewige Blumenwiese davon trugen. Er rannte so schnell seine Beine ihn trugen und seine Schmerzen aushielten. Der vernünftige Teil seines Gehirns rannte mit etwas, was man wohl als Kopf bezeichnen konnte, gegen eine Mauer. Jetzt konnte er auf einmal rennen. Wieso nicht zu einer Zeit, wo man denken konnte, dass Gefahr in Verzug war? Nein, jetzt war die beste Zeit zum rennen. Wie dumm konnte man nur sein?

Jason drehte seinen Oberkörper so weit nach hinten, dass er sehen konnte, wo dieser Kerl ist, aber nicht stolperte, wie es ihm sonst so oft geschah. Er sah ihn nicht. Wo war er? Es gab keine Hügel, keine Berge, keine Bäume, keine Sträucher, kein gar nichts wo der sich hätte verstecken können. Bevor er wirklich stolperte, drehte sich Jason um und musste stehen bleiben. Der namenlose Kerl hatte es geschafft vor ihm zu stehen. Magie? Ein unsichtbarer Jet? Wie hatte er das geschafft?

„Ich werde nicht hier bleiben“, sagte Jason und zum ersten Mal hatte er regelrechte Panik in seiner Stimme.

„Und wohin willst du gehen? Dein Körper ist zu schwach um zur Erde zurückzukehren. Es ist das Beste, wenn du hier bei mir bleibst. Bei mir wirst du es besser haben als auf der Erde.“ Auf einmal roch Jason den Duft der Blumen und es roch seltsam. Ihm wurde schwindelig und er fühlte sich unglaublich schwach.

„Gift?“ Mehr konnte er nicht mehr sagen. Er wurde ohnmächtig.

Als Jason erwachte, lag er in einem himmlischen Bett und wusste, er war angekommen. Sein Körper lag immer noch im Garten seiner Großeltern und war eingeschlafen. Nach und nach hatte er versagt und er war endlich und endgültig eingeschlafen. Sein unbekannter Begleiter hatte recht. Es ging ihm besser. Keine Schmerzen, weder körperliche noch seelische. Ihm taten seine Eltern leid, die um seinen Tod trauern würden. Aber er fühlte Frieden und Seligkeit. Es war besser, für ihn, so wie es war. Sie würden es eines Tages verstehen und akzeptieren. Wie er es akzeptierte.

Sein fremder Begleiter kam herein und Jason wusste endlich, wer er war. Die Personifizierung des Mondes. Er war der Mond. Und er liebte ihn, Jason. Und gemeinsam würden sie auf dem Mond leben. Und er vermisste nichts von den Sahen auf der Erde. Er beugte sich zu ihm herunter und gab ihn einem innigen Kuss. Es war gut, wie es war.

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1 Kommentar

  1. Die Krähe said,

    20. August 2009 um 21:54

    Huhu,
    du hast einen Award verliehen bekomme! *wink*

    Lieben Gruß
    Crow


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