Es ist mir peinlich …

Was ist denn peinlich? Nackt herum zu laufen, zu fluchen, zu rülpsen, sich sinnlos zu besaufen, beim Gottesdienst zu lachen, am falschen Ort das Falsche zu sagen oder zu kommentieren ohne vorher hinzuspüren? Mit dem Moralbegriff “peinlich” versuchen uns Gesellschaft und Kirche ‘auf Linie’ und klein zu halten. Ich lade dich, Michael, und alle anderen Leser/innen ein, das Wort ‘peinlich’ aus dem Wortschatz zu streichen und stattdessen die ‘Sau raus zu lassen’.

Diesen Kommentar hat Hannelore Vonier in diesem Beitrag geschrieben. Und recht hat sie. Wie oft habe ich gedacht, man ist mir das peinlich.

  • Leute anreden? Peinlich!
  • In etwas verrückteren Klamotten laufen? Peinlich!
  • Zu sagen was man meint? Peinlich!
  • Das Leben leben? Oberpeinlich!

Die Peinlichkeit hält unser Leben unter Kontrolle. Es ist eine Art Moralvorstellung (wenn nicht sogar eine komplette Moralvorstellung), welche uns sagt, wie wir uns zu benehmen haben. Und aufgrund peinlicher Gefühle werden Dinge nicht als selbstverständlich genommen, welche eigentlich selbstverständlich sind.

Es ist mir peinlich mit meiner großen Liebe gesehen zu werden. Diese Person kommt nicht aus Deutschland.

Wenn ich mir zu viele Gedanken darüber mache, was andere von mir denken könnten und ob sie mein Denken udn Handeln ablehne, verschwende ich schlichtwege zu viel Zeit. Denn in dieser Zeit, in der ich denke, könnte ich auch schlichtweg das Leben genießen. Oder andersweitig meine Energie hineinstecken.

Wie oft denken Menschen, wenn sie etwas erschaffen (sei es ein Bild, ein Musikstück, eine Geschichte), dass man das so nicht schreiben kann, das ist ja … peinlich!

Das Bild ist zu erotisch, ich kann es niemals ausstellen, was werden die anderen von mir denken?

Peinliche Gefühle hat etwas mit Zwang und auch Kontrolle zu tun. Wenn ich deine Gefühle kontrolliere, dann kontrolliere ich auch dich. Und am Ende wirst du tun, was ich von dir will. Sektengedanken lassen grüßen.

Unsere Gesellschaft und die Kirche haben erfolgreich eine entscheidene Grundlage für diese Gefühle gelegt. Und dann kommen die FilmemacherInnen und tragen diese Moralvorstellungen weiter (aber nicht nur sie, auch AutorInnen sind natürlich davon betroffen, Filme haben nur eine tragendere Rolle, denn diese kann man in circa zwei Stunden sehen, während ein Buch länger braucht um gelesen zu werden).

Mit Hilfe von Filmen (und auch Büchern und vielem mehr) kann man eine entsprechende Moralvorstellung in die Welt tragen und erklären, so und nicht anders. Und wenn der Verlag noch davon begeistert ist, dann wird entsprechend Werbung für dieses Werk gemacht, Tausende und Millionen von Menschen sehen oder lesen es und schon wird die Nachricht in die Welt getragen. Und in der Welt des schnellen Konsumes wird nicht mehr kritisch nachgedacht (zumindest nicht mehr von vielen) und somit können sich neue und nicht immer gesunde Gedanken in die Gehirne der Menschen eindringen.

Das hört sich wie eine Invasion von Aliens an. Und letztendlich sind wir selber diese Aliens.

In dem Sinne, hört auf mit den stillen Gedanken und lebt und seit kritisch. Denn nur so können wir den Hirnsaugenden Alien in unserem Kopf Einhalt gebieten 🙂

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5 Kommentare

  1. Hannelore said,

    28. Juli 2009 um 23:19

    Danke für den Link und, dass du dieses Textstückchen gefunden hast!

  2. Alruna )O( said,

    29. Juli 2009 um 05:46

    Das ist ja so wahr. Nicht überlegen, was die Leute denken könnten, sondern einfach das Leben leben und ab und zu auch mal herzhaft über sich selber lachen können. Das Lied von den Ärzten ist so treffend (lass die Leute reden und hör einfach nicht hin…). Das ist auch ein Vorteil des älter werdens – mir ist inzwischen fast überhaupt nichts mehr peinlich. Warum auch? Haha, als ich mal mit einem bodenlangen Sommerrock in einen Bus einsteigen wollte, trat auf der Stufe hinter mir einer auf meinen Rocksaum. Mein Rock hatte oben Gummizug, deshalb stand ich dann halb im Freien. Glaub mir, dem war das noch viel peinlicher als mir 😀
    LG
    Alruna

    • 29. Juli 2009 um 15:58

      Dem kann man nichts mehr hinzufügen, denn du hast einfach recht 🙂

      Und stimmt, ich hätte noch das Video hier einfügen können ^^

      Danke schön.

      lllg
      erdchen

  3. 17. März 2010 um 18:13

    […] was ich selber geschaffen habe. Das ist zumindest meine Devise. Alles andere ist für mich … peinlich … (und ja, ich mag das Wort nicht, aber in diesem Fall passt es im Grunde […]


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