AntiheldInnen ~ Eine neue Art von Charakteren

Zur Zeit lese ich, und das mit sehr großer Begeisterung, dass Buch „Bullies, Bastards & Bitches: How to Write the Bad Guys of Fiction“ von Jessica Page Morrell.

Kurz die wichtigsten Daten 🙂

Taschenbuch: 304 Seiten
Verlag: Writers Digest (29. August 2008)
Sprache: Englisch
ISBN-10: 1582974845
ISBN-13: 978-1582974842

Im Grunde genommen ist das Buch kurz vorgestellt (wenn ich es durch habe, werde ich das Buch ausführlich vorstellen, versprochen 🙂 ). Es geht dabei um die bad ass in Romanen. Also Charaktere mit denen man im realen Leben aller Wahrscheinlichkeit niemals etwas zu tun haben möchte, aber in Romanen (oder auch im Fernsehen) am meisten mag. Warum letztendlich auch immer. Also die AntiheldInnen einer ordentlichen Geschichte.

Das Wort Anti sagt es schon, man ist gegen etwas. Oder etwas tritt anstelle von etwas anderem. Das Wort stammt übrigens aus dem griechischen (am Sonntag noch etwas lernen ^^). Und somit ist ein Antiheld, eine Person, der anstelle eines Helden tritt, oder der gegen etwas ist. Gegen den Heldentum, gegen die Gesellschaft, vielleicht sogar gegen sich selber.

Wir kennen alle die HeldInnen der Geschichte, besonders einen, den ich persönlich mal als den Helden bezeichnen möchte: Superman.

Superman ist immer der Gute, der Held, der versucht alles richtig zu machen und niemanden tötet oder beleidigt oder verletzt (sei es seelisch oder körperlich). Und wenn er ein Fehler macht, dann bügelt er ihn aus. Die Farben seiner Klamotten erinnern auch stark an seiner Gesinnung (unabhängig von welchem Planeten kommt). So wollten sicherlich mal alle kleinen Jungen werden und die Mädels träumten von Superman als Ehemann (nehme ich mal frecherweise an).

Aber nach und nach kommen die Antihelden und haben eine ganz eigene Faszination.

Batman ist eine eigene Sorte von Antiheld und immerhin bekommt er, im Gegensatz zu Superman, sogar einen Eintrag ins „Das grosse Lexikon des Verbrechens. Täter, Motive und Hintergründe“ von Norbert Borrmann. Auch wenn das Intro von Batman aus den sechziger (hier mit Robin an seiner Seite) eher dazu anregt Fremdschämen zu wollen, zeigt es doch einen kleinen, aber feinen Unterschied zu Superman.

Der gute Mann und sein Helferlein schlägt zu und hat damit auch keine Probleme damit. Unabhängig der Tatsache, dass die Puffs und Pows in Quietschbunten Bilderchen die wahre Gewalt eigentlich verstecken soll, Batman greift notfalls zu Gewalt, wenn er etwas erreichen will. Und das ist für einen Helden im Grunde genommen unentschuldbar. Denn ein Held hat ja immerhin eine Vorbildfunktion und niemanden zusammenzuschlagen, wo kommen wir denn da hin?

Außerdem ist Batman in der DC Comicwelt noch etwas besonderes, er hat keine Superkräfte. Während Superman durch die Gegend fliegen kann, einen Röntgenblick besitzt und unglaublich stark ist (um mal die bekanntesten Kräfte aufzuzählen), ist Batman schlichtweg ein Mensch mit Stärken und Psychosen ^^.

Der folgende, etwas mehr als acht Minuten lange Film aus der Fernseheserie Justice League, zeigt, wie Batman und Superman gegeneinander kämpfen und wie.

Hellboy ist ebenfalls kein klassicher Held und nicht einmal ein klassicher Antiheld.

Ich habe mich zur Beweisführung (flöt) für einen Zeichentricktrailer von Hellboy entschieden.

Hellboy ist ein Dämon und stammt direkt, wie der Name schon sagt, aus der Hölle. Er ist nicht nett, hat Hörner und scheint Dauerschlechtgelaunt zu sein. Im ersten Film hat er nichts besseres zu tun, als ein Skelett aus seinem Sarg und seinem vermutlich wohlverdienten Ruhe zu holen, um zu Rasputin (zumindest der Filmrasputin) zu kommen, der natürlich nichts anderes als die Apokalypse herbei rufen will (das die Bösewichte nicht mal andere Pläne haben, wie wäre es denn mit einer ewigen Gründlandschaft, ach ne, hatten wir ja wirklich schon, bei Kim Possible, Sorte typische Heldin).

Weiterhin greift er auch schon mal zur Waffe und knallt jemanden was vor dem Latz.

Aber raus aus der Comicwelt, die reale … äh reale Fernsehwelt (ist die Fernsehwelt eigentlich real? auch nur im Ansatz? keine Ahnung). Dort gibt es auch genügend Antihelden.

Wie wäre es mit dem wirklich (mehr oder weniger) Allseits beliebten Dr. House? Ich meine, der Typ ist Drogenabhängig, sexistisch, rassistisch und bezeichnet schon mal ein Baby als Parasiten. Leider habe ich die Szene nicht gefunden, sonst hätte ich diesen hier glatt verlinkt, denn als ich diese Szene damals gesehen habe, ich lag auf dem Boden und seit dem gucke ich Dr. House regelmäßig.

Dafür gibt es eine andere Szene, die typisch für Dr. Gregory House ist, aber vermutet wird, dass es ein sogenanntes Outtake ist, also eine Szene, die verhauen wurde. Wer es nicht glaubt, schaut euch das Ende an (dauert ja auch nur 3 Sekunden die Szene). Der Typ lacht und ich weiß es jetzt nicht, hat Dr. House in der Serie mal wirklich herzlichst gelacht? Ich glaube nicht.

Aber gut, lassen wir in einer anderen Szene, die eindeutig aus der Serie stammt (schauen Sie links oben ^^), House die Serie Greys Anatomy dissen (oder dizzt man? ich meine die RS).

Ich denke mal, dass spricht für sich. House ist nicht unbedingt der Arzt, den man in seiner Freizeit sehen möchte. Aber wenn ich mal an einer Krankheit leide, die niemand zu kennen scheint, dann bete ich dafür, dass so ein Arzt mal bei mir vorbeischaut. Denn immerhin rettet er die Mensch. Und trotz seiner Bad Ass Einstellung ist er ein Held, aber eben ein Antiheld.

Gut, wir haben hier einige Antihelden auseinander genommen. Wie sieht es aber mit  den Antiheldinnen? Können Frauen ebenfalls die Rolle einer Antiheldin überhaupt einnehmen? Ganz ehrlich, ich dachte mir schon, gagagu… Mir fielen am Anfang kaum Namen von Frauen ein, wo ich mir dachte, dass ist eine geniale Antiheldin. Mit der kann man etwas anfangen. Doch dann habe ich ein wenig nachgedacht und mir vielen doch die eine oder andere Heldinnen ein.

In meinen Augen ist die Amazonenprinzessin und spätere Kriegerin Wonder Woman alias Diana Prince eine Antiheldin, trotz ihrer blau-weißen Farbe (wie bei Superman). Immerhin verlässt sie ohne Erlaubnis die Insel ihrer Schwestern und Mutter, bestiehlt die Mutter mit dem Gürtel (oder war es das Lasso, ich gestehe, ich weiß es nicht), hat absolut keine Probleme ordentlich zu zuschlagen. Und in einer Szene bei der Zeichentrickserie Justice League war sie von zwei Dieben so angenervt, dass sie die ohne weiteres Krankenhausreif geschlagen hat. Sorry, aber als Heldin hätte sie das nicht getan.

Im folgenden Trailer kommt sie zwar ein wenig mehr als Heldin rüber, ich sehe sie aber nicht als eine solche.

Ellen Ripley, Chihiro oder auch die Braut aus Kill Bill sind weitere Antiheldinnen.

Buffy ist aber mit Sicherheit einer der collsten Antiheldinnen. Schon allein die Tatsache, wie sie Angel das erste Mal trifft. Blondchen geht in die dunkle Gasse, wo Blondinnen gerne mal von Monstern gefressen werden. Und was macht sie? Sie frisst das Monster. Wenn auch nur im übertragenen Sinne. Aber auch sonst ist Buffy von Selbstzweifel, Unsicherheiten und manchmal auch von einer groben Art geprägt. Sie kann nicht immer lustig sein, hat Angst und ist eben manchmal ein richtiges Mädchen, die in ihrer Freizeit die Welt vor dem Bösen rettet.

Aber mit Abstand, für mich zumindest, coolste Antihledin ist und bliebt, leider, eine Nebenfigur aus dem Spawnuniversum. Und zwar der Engel und Kriegerin Angela.

Sie gehörte zu den elysischen Jägerinnen, welche auf die sogenannten Hellspawns Jagd machen um diese zu töten (Hell, dass sagt sicherlich alles). Und sie schenkt Feinden, die ihr so richtig auf die Nerven gehen, aber tun was sie sagen, immerhin zwei volle Sekunden Zeit um ihr Leben noch zu genießen. Und als sie verraten wurde, von den eigenen Leute, was macht sie, ganz untypisch für eine Heldin? Sie kündigt. Sie kündigt ihren Job als Engel. Ob das schon jemals vor ihr gemacht getan wurde? Das interessiert sie nicht im geringsten. Sie ist eben Angela (die leider vom Schöpfer Todd McFarlane getötet wurde, pfui deibel, ich gestehe, dass war eine der Gründe, warum ich die Serie nicht mehr weiterverfolgt habe).

AntiheldInnen arbeiten und leben gegen den Trend. Ich habe mal ein Interview von einem Zeichner des Films Aladin (Disney) vor Jahren gesehen. Dort wurde gesagt, was viele sicherlich auch bestätigen können. HeldInnen müssen einer gewissen Norm entsprechen. Sie können nicht einfach mal zuschlagen und einfach mal fluchen. Das entspricht ihnen nicht, weil das nicht zu einer/einem HeldIn gehört. Sie haben moralisch einwandfrei zu sein und können jederzeit auch einem Kind präsentiert werden. Immerhin stirbt er ohne zu fluchen.

Immerhin wussten das auch die Leute aus South Park (etwa um 1,50 Minute findet ihr die entsprechende Szene, lol sage ich dazu nur).

AntiheldInnen hingegen fluchen nicht nur, sie sind eben so wie wir, auch wenn wir nicht mit allen von ihnen befreundet sein möchten. Sie haben Sorgen und Ängste, die sie auch zeigen und notfalls auch mal vor allen anderen. Zu ihren Schwächen stehen viele, andere hingegen verbergen sie. Aber sie greifen auch notfalls zu Gewalt und treten den Leuten in den Hintern.

Vor allem aber, sie sind alle individuell. Man kann Dr. House nicht mit Adrian Monk vergleichen. Oder Angela und Buffy. Sie sind alle individuell und haben eben ihre Stärken und Schwächen. Und man kann diese auch sehen. Vermutlich ist das eine der Gründe warum sie uns alle faszinieren.

Übrigens, wer schreibt und wissen möchte, wie man ein Bad Ass kreieren möchte, möge zum Anfang dieses Berichts zurückwandern. Dort ist ein entsprechender Buchtipp 🙂

P.S. Mir ist bewusst, dass AntiheldInnen nicht so ganz neu sind, da sie schon seit einigen Jahrhunderten in den Büchern auftauchen. Ich habe aber das Gefühl, dass sie erst in den letzten Jahren so richtig in Erscheinung treten.

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