Christliche Werte und Richard Dawkins

Durch diesen hervorragenden Beitrag von der lieben Krähe erinenrte ich mich an das Buch von Richard Dawkins „Der Gotteswahn“. Nun gut, in meinem Fall an das Hörbuch.

Kurz geschrieben, in Krähes Beitrag geht es um Zensursula, Internetsperren, aber auch christliche Werte. In einem Zitat ging es darum, dass behinderte Kinder im Kindergarten (als Beispiel) dank der christlichen Werte eben nicht ausgegrenzt werden, sondern gefördert.

„Es sind die Werte, auf denen eigentlich unsere gesamte Kultur basiert, die christlichen Werte. Man kann sie auch in ganz moderne Formen fassen: Das sind Dinge wie Aufrichtigkeit, Vertrauen, Verlässlichkeit, Rücksicht, Respekt, der Wert, dass jeder Mensch einzigartig ist. Also zum Beispiel im Kindergarten, dass das kleine behinderte Kind, das nicht so gut malen oder basteln kann, einzigartig ist in seinen Fähigkeiten, das sind Dinge, die werden schon ganz früh im Kindesalter gelegt und da wollen wir heute mit den beiden großen Kirchen einen Auftakt starten.“ Quelle: Rückbesinnung auf christliche Werte? vom 20.04.2006

Also im Klartext, die tollen Christen behüten das kleine christliche Kind und alle anderen Religionen würden es mobben? Habe ich das jetzt richtig verstanden? Ich hoffe mal, dass war jetzt nur ein Missverständnis meinerseits. Kann ja sein, dass ich mal wieder alles auf den Kopf stelle.

Jedoch vergessen Menschen wie Frau von der Leyen und andere VertreterInnen der organisierten Religionen eine kleine Kelinigkeit (oder wollen es mit Absicht vergessen): nicht die christliche Lehre macht uns zum Menschen, sondern der Mensch macht uns zum Menschen.

Richard Dawkins hat in seinem Buch einige Test aufgezählt, die einen Namen haben, ich aber leider vergesse habe. Das Problem ist eben, ich kann mir Namen schwer merken. Wenn ich herausgefunden habe, wie das heißt, werde ich das sofort nachtragen.

Das ganze sieht so aus, dass Menschen (also so etwas wie du und ich ^^) eine Frage gestellt werden, die einfach haarsträubend sind. Anders kann ich es jetzt nicht beschreiben. Und dabei kann man feststellen, nach welchen humanistischen Gedanken die Menschen entscheiden. Ich denke mal, da ich den Namen dieses Projektes nicht weiß, ist ein Beispiel, den ich hier frei zitiere, in Ordnung.

Jetzt nehmen wir mal an, Lucy (die Person im eigentlichen Test war zwar eine Frau, glaube aber das sie einen anderen Namen hat), sitzt in der Zentrale der Bahn und hat die Macht die Gleise umzustellen. Jetzt kommt folgendes: Ein Zug rast auf den Gleisen (wohin und woher ist dabei völlig egal) und vor ihm steht eine Gruppe von fünf Personen. Hierbei ist es übrigens egal (das wurde im Hörbuch deutlich betont), wer diese Menschen sind. Also ob es Richard Dawkins oder Angela Merkel sind oder deine besten FreundInnen oder einfach nur völlig fremde Menschen spielt hierbei überhaupt keine Rolle. Es sind fünf Personen. Der Zug hat keine Möglichkeit zu bremsen, dafür Lucy diesen auf ein anderes Gleis fahren zu lassen. Problem, da ist eine weitere Person (warum sich die Personen überhaupt auf den Gleisen befinden und warum sie nicht runter gehen ist übrigens auch irrelevant). Das bedeutet, wenn Lucy den Zug weiterfahren lässt, würde sie fünf Menschen töten und einen Menschen retten. Leitet sie den Zug um, dann würde sie einen Menschen töten und fünf Menschen retten.

Die meisten Menschen, laut Dawkins, entscheiden sich, den einen Menschen zu töten, also den Zug umzuleiten und damit den fünf Menschen das Leben zu retten.

Nächste Frage: Es handelt sich dabei um die gleiche Situation, Lucy hat die Gefahr erkannt und leitet also den Zug um. Nun kommt eine neue Handlung dazu. Ein dicker Mensch sitzt auf eine Brücke und schaut sich den Himmel an (was für ein Himmel und ob der dicke Mensch weiblich oder männlich ist, überlasse ich euch). Jemand steht hinter ihm (also in diesem Fall du oder auch ich) und erkennt die Gefahr. Aus irgendwelchen irren physikalischen Gründen würde der dicke Mensch den Zug aufhalten können. Wenn er heruntergestoßen und sich eben vom Zug überrollen lassen würde. Die Frage lautet also, würdest du den Menschen herunterstoßen um somit zu den fünf geretteten Menschen, dank Lucy, nun auch noch einen sechsten hinzufügen, indem du den dicken Menschen hinunterstößt?

Die meisten Menschen würden übrigens hier mit Nein antworten. Warum? Der dicke Mensch kann nichts für die Gesamtsituation und ist ein reines Opfer. Sprich, da er nichts damit zu tun hat, ist es nicht rechtens ihn hinunterzuschubsen um damit sechs Menschen zu retten.

Diese Fragen bzw. Gedankentests wurden zuerst in der westlichen Welt gestellt und entsprechend ausgewertet. Es ergab, laut Dawkins ein einheitliches Bild vom Menschsein und menschlichen/humanistischen Werten.

Jetzt könnte man sagen, ist doch klar, wir leben in einer christlichen Welt. Und selbst wenn man heidnisch geworden ist oder sich einer anderen Religion zugewandt hat, so leben indirekt diese Werte in den Leuten fort.

Könnte man sagen!

Natürlich sind die ForscherInnen nicht dumm genug gewesen und haben es dabei belassen, diese Fragen in der westlichen Welt nur zu stellen. Sie sind in Dörfer, welche von der sogenannten Zivilisation abgeschnitten sind, gegangen. Diese kannten keine der organisierten Religionen, mit denen wir uns hier so beschäftigen (um es mal neutral zu sagen). Somit auch nicht deren Werte und Normen und was auch immer dort so von sich gegeben wird. Sprich, in diesem Sinne sind sie komplett unberührt.

Auch ihnen hat man diese Fragen gestellt. Da sie aber keine Züge und Brücken kennen/kannten (ich weiß nicht, wie es inzwischen da aussieht, da ich natürlich auch nicht weiß, wo diese Fragen gestellt worden, also in welchem Dorf oder gar Dörfer), hat man das umgeändert. Aus Zügen wurden Krokodile und aus Brücken eben Bäume mit Ästen, die über den See ragen.

Und was haben sie geantwortet? ÜBERASCHUNG!!! Das gleiche wie wir in der westlichen Welt. Und zwar im gleichen prozentualen Ansatz. Natürlich gibt es immer wieder AusreißerInnen, die nicht nach der Mehrheit antworten und daher eine Abweichung darstellen. Aber wer sich ein wenig mit Statistik beschäftigt hat, weiß, dass ist normal.

Worauf es hierbei ankommt ist eben die Tatsache, dass sind keine ChristInnen und haben doch genauso geantwortet, wie die Menschen, die in der westlichen Welt befragt wurden. Also entweder läuft hier etwas gewaltiges schief, wir haben es hier mit einer gigantischen Verschwörung der Wissenschaft zu tun oder die christlichen Werte sind nicht nur für die ChristInnen reserviert ^^

Das letzte war übrigens ein wenig ironisch gemeint.

Weiter ist es fraglich, wenn erst mit dem Einzug und Aufbau und Gründung und was weiß ich des Christentums Werte wie Menschlichkeit, Mitgefühl und derartigen in unsere Gesellschaft Einzug gehalten hat, wie hat die Menschheit bis dahin überlebt? Wenn sie davor sich bei jedem kleinen bisschen den Schädel eingeschlagen hätte (was man unseren AhnInnen in der Steinzeit ja gerne vorwirft) und andauernd Krieg geführt hätten (bei einer Population von ca. eine Millionen Menschen habe ich mal gelesen), dann wäre nicht viel übrig geblieben woraus wie entstanden hätten können.

Wieso also glauben einige ChristInnen aber noch, dass ihr Glaube die Krönung der Menschheit sei?

Zumal wir nicht leugnen können, dass im Namen des christlichen Glaubens, im Namen des christlichen Gottes und im Namen der christlichen Kirche so einige Taten getan wurden, welche ich HistorikerInnen und PolizistInnen wohl nicht erläutern brauche. Ich rede natürlich auch von Religionskriegen und Hexenverfolgung. Aber auch von Serienmördern, die ja angeblich von Gott die Botschaft bekommen haben, irgendwelche Gruppen oder einzelne Menschen zu töten.

Aber wir müssen ja nicht einmal tief in die Abgründe der Polizeiakten zu wusseln. Reden wir doch mal eine Runde über Abtreibungsgegner (eine interessante Wende, von Ursula von der Leyen zu den Abtreibungsgegner). Ihnen ist das ungeborene Leben heilig. Sie haben nach deren Meinung (und meinem begrenzten Wissensstand zu diesem Thema) sofort nach der Befruchtung ein Leben, eine Seele, Gefühle.

Wirklich?

Dawkins erklärte, solange man keine Nerven habe, solange können man ja nichts fühlen. Somit auch kein Schmerz. Wenn man mir also die Nerven lähmen oder abtöten würde, würde ich somit nicht merken, wenn man mich brutalst ermorden würde. Logisch. Es werden ja keine Informationen von der verletzten Körperstelle zum Gehirn und zurück geleitet. Wie soll man da also etwas spüren?

Somit würde ein gerade befruchtetes Ei, welche noch keine Nerven hat, nichts spüren, wenn es abgetrieben wird. Aber wenn man den Arzt (sind komischerweise meistens Männer, die im Zusammenhang der Abtreibung irgendwie bekannt werden, kann das sein?) getötet wird. Was für ein Leid entsteht denn da? Leidet der Arzt nicht durch die Schmerzen, wenn er erschossen wird? Leiden nicht die Ehefrau, die Kinder, die Eltern und die Verwandten wie FreundInnen unter diesem Verlust? Warum wird nicht mal darüber diskutiert?

Oder noch etwas lustiges: Gerne wird ja argumentiert, was gewesen wäre, wenn man zum Beispiel Stephen Hawkins abgetrieben hätte. Oder Robert Koch. Oder Marie Curie. Wir hätten diese Menschen nicht gehabt und somit auch nicht deren Erkenntnisse.

Vor einigen Jahren habe ich mal ein Bild gesehen, wie eine Comicfigur sich darüber beschwerte, wieso es so viel Leid auf der Erde gäbe. Dann kommt eine Hand aus dem Himmel und meint, ich habe euch ja die Rettung geschickt, ihr habt sie aber abgetrieben.

Wiederwärtige Schuldzuweisung zum einen. Zum anderen denke ich mal, wenn der christliche Gott wirklich wollte, dass ein neuer Retter oder neue Retterin zur Welt kommt, der findet da schon einen Weg, oder etwa nicht?

Aber das ist ja nicht das Thema. Sondern der Mann in dem Comic (ich glaube es war ein Mann) erwartet ja zum einen, dass andere für ihn die Drecksarbeit machen. Sprich, die anderen sollen doch gefälligst die Welt retten. Wieso setzt er sich nicht hin und macht das? So mal als Überlegung.

Zum nächsten: Jetzt nehmen wir mal an, die drei oben genannten Personen wären abgetrieben worden. Wir hätten doch gar nichts von deren Existenz gewusst. Niemand wäre auf den Gedanken gekommen und zu Mama Hawkins, zu Mama Koch oder zu Mama Curie hinzugehen und hätte gesagt, wieso habt ihr Stephen, Robert und Marie abgetrieben? Ihr habt uns jetzt wichtige Erkenntnisse der Menschheit geraubt.

Wir hätten das doch gar nicht gewusst.

Wir hätten ja nicht von deren Existenz gewusst und somit auch nicht von der Tatsache, dass sie überhaupt mal was interessantes (er/ge)funden hätten.

Was mir so heute morgen noch eingefallen ist (übrigens im Halbschlaf), warum niemand sich folgen Frage stellt. Wieso hat Klara Hitler nicht ihren Sohn Adolf abgetrieben? Oder andere Personen der Geschichte, die nur Leid und Tod gebracht haben? Serienmörder, Vergewaltiger, Kinderschänder? Wieso fragt man nicht, was wäre gewesen, wenn man die mal abgetrieben hätte? Diese Frage habe ich meines Wissens nach nirgends gelesen oder gehört. Hat sie jemand schon mal gestellt?

Was ich damit sagen will ist, natürlich sind nicht alle ChristInnen schlecht. Genauso wenig sind alle HeidInnen gut. (Schön wärs.) Aber man sollte nicht denken, nur weil man irgendwelche christliche Werte verinnerlicht hat (welche das auch immer sein mögen), ist man automatisch auf der sicheren/guten Seite.

Viele HeidInnen oder auch AtheistInnen haben ein weitaus humaneres Weltbild, als es die etablierten Religionen jemals vermitteln können. Des weiteren machen diese Werte uns nicht menschlicher. Es ist der Mensch (oder auch die Menschin wie ich es mal bei Irene Fleiss gelesen habe ^^) welche uns menschlicher machen. Alles andere ist eine reine Übernahme.

So sei es …

Advertisements

2 Kommentare

  1. DerSinn said,

    2. Juli 2009 um 20:02

    Hi!

    Eine nicht wenig reizvolle Weise die Welt zu betrachten, ja. 😉

    Mit der Abtreibungssache habe ich allerdings ein paar Probleme (und ich bin BESTIMMT kein Christ…).

    Grundsätzlich gebe ich Dir Recht, dass ohne Nerven keine Möglichkeit für Leben im menschlichen Sinne besteht. Mein größtes Problem: Wann springt dieser „Lebensfunke“ über? Wie wollen wir das ernsthaft bestimmen? Wann entsteht das Bewusstsein?

    Für mich ist es unvorstellbar, dass man ein Kind nicht lieben kann. Das geht einfach über mein Verständnis hinaus. Denn das entstehende Leben ist auch mir heilig. Vielleicht ist das soetwas ähnliches wie das Beispiel mit dem Dicken über den Gleisen?

    lG,
    Daniel

  2. 2. Juli 2009 um 20:16

    Hallo,

    wegen deinen Gedanken, können wir überhaupt bestimmen, wann der Lebensfunke überspringt? Vielleicht ist es ja auch kurz vor der Geburt?

    Und es hat ja niemand gesagt, dass man ein Kind nicht lieben soll oder auch nicht. Es geht hierbei um die Theorie und die Zwiespältigkeit der Abtreibungsgedanken. Und ich bin da eher Dawkins Richtung in meiner Ansicht. Und ich bin ja ebenfalls keine Christin.

    Mir ist das Leben ebenfalls heilig, genauso wie die freie Entscheidung. Und da beißt sich die Katze ordentlich ins Schwanz 😦

    lllg
    erdchen


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: