Respekt und Gegenrespekt

Ich habe gerade diesen interessanten Beitrag gefunden und gelesen. Die Krähe schreibt erst einmal über egoistische Menschen und kommt dann zum Thema Hass und Liebe in extremer Form.

Wir leben leider aktuell in einer Welt, in der es scheinbar eher legitim ist, jemanden den Hals umzudrehen als jemanden einen Kuss zu geben. Immer wieder gibt es Berichte von amerikanischen SchauspielerInnen, dass sie bemängeln, in Filmen keine direkte Nackt- oder Liebesszene zeigen zu dürfen. Aber in Filmen jemanden zu ermorden, gar Selbstjustiz zu üben, dass ist völlig in Ordnung. Während sogenannte Anstandswauwaus gegen Filme mit Erotik und Liebe vorgehen.

Auch bei den Büchern kann man es sehen. Während es noch legitim ist Krimis, Thriller oder Horrorbücher zu lesen, wird man schräg von der Seite angeschaut, liest man gerne Liebesromane (gar die Nackenbeißer). Unabhängig mit was für einen Inhalt wir es zu tun haben, Liebesromane ist weibisch und hat man nicht zu lesen (das ist übrigens nicht meine Meinung, was vielleicht so rüber kommen könnte, sondern es denken zu viele andere Menschen entsprechend darüber).  Und über Erotikromane brauchen wir uns erst gar nicht zu unterhalten (wobei der Grad zwischen einem Erotikroman und einem Porno in schriftlicher Form doch sehr fließend ist).

Hass, Gewalt und Mord wird akzeptiert, aber Liebe, Sex und Erotik hingegen nicht. Dabei sind gerade die drei letztgenannten wichtig um ein Kind zur Welt zu bringen (was dann von vielen auch als legitim angesehen wird, eben das Kindchen zur Welt zu bringen, aber bitte ohne den Zwischenweg Sex zu erwähnen oder gar Spaß daran zu haben, da sind auch einige ganz komisch). Eigentlich schade.

Was aber in dem Bericht noch vor kam, war ein Zitat ihres Sohnes. Im Grunde genommen brauche ich hier kein direktes Zitat aufführen, denn wir alle haben davon schon einmal in irgendeiner Form gehört, gelesen, vielleicht gar selber gesagt.

Respektiere mich und ich respektiere dich.

Oder

Wenn du mich nicht respektierst, dann respektiere ich dichnicht.

Oder

Ich respektiere den, der mich respektiert.

oder, oder, oder …

Man kann diese Sätze in jeglicher Form schreiben, sie beinhalten alle das gleiche. Entweder du bringst Respekt mir gegenüber auf oder du kannst es vergessen, dass ich dir Respekt entgegen bringe. An sich ist das eine logische Idee, doch ich sehe darin ein verdammt großes Problem.

Jetzt nehmen wir mal folgendes an: Du als LeserIn dieses Beitrages und ich (erdwurzelchen Wolfskatze) treffen aufeinander. Da wir beide ein wenig komisch im Kopf sind (sonst würde der folgende Vergleich keinen Sinn machen), können wir ahnen, dass Streit vorprogrammiert ist. Wir treffen aufeinander und wir beiden haben diese Regel im Kopf. Entweder du bringst mir Respekt entgegen oder ich respektiere nicht. Nur das Problem ist jetzt, wenn von uns beide niemand bereit ist den ersten Schritt zu machen, weil wir beide diese fixe Idee im Kopf haben, dass die andere Person mit dem Respektgeben gefälligst anzufangen hat, wer bitte schon soll dann den ersten Schritt machen? Das hier ein hausgemachtes Probelm vorliegt, dürfte wohl auf der Hand liegen.

Marshall B. Rosenberg hat diverse Bücher zum Thema Gewaltfreie Kommunikation geschrieben. Damit meint er, dass wir, wenn wir reden, den anderen Menschen Gewalt antun. Und wenn wir aufhören Gewalt in der Sprache zu übertragen ist es auch eines Tages möglich, die Gewalt über kurz oder lang aus unserem Leben zu verbannen.

In seinem Buch „Gewaltfreie Kommunikation – Eine Sprache des Lebens“ geht Rosenberg auch auf den Respektgedanken ein. Um es sinngemäß zu zitieren, er hat folgendes gesagt:

Bring den anderen Menschen Respekt entgegen und hoffe dann, dass du Respekt erhältst. Alles andere ist unrealistisch.

Damit sagt er eindeutig, und ich stimme ihm voll und ganz zu, wenn ich nicht in der Lage bin als erste Respekt zu bringen, wie kann ich dann bitte schön erwarten, dass man mir Respekt entgegenbringt?

Um auf mein oben konstruiertes Beispiel zurückzukommen: Wenn du (als LeserIn) und ich zusammenstoßen und wir beide uns automatisch Respekt entgegenbringen, dann ist doch unsere Beziehung automatisch anders, als wenn wir erwarten, dass die/der andere anfängt. Unser Umgang wird automatisch anders sein, vermutlich freundlicher und auch höfflicher, vielleicht sogar liebevoller (damit meine ich keine romantische Liebe).

Seit ich diesen Satz damals gelesen habe, habe ich für mich beschlossen, allen Menschen automatisch Respekt entgegenzubringen. Unabhängig der Tatsache ob sie es angeblich verdient hätten oder nicht. Wer bitte schön entscheidet schon, wer Respekt verdient hat oder nicht? Von mir kriegen alle gleichermaßen Respekt. Man muss dafür bei mir nichts tun. Aber man sollte nicht vergessen, Respekt kann man auch verlieren. Und dann kann es bei einigen sehr schwer sein, diesen wieder zu erlangen.

Vielleicht sollte man die eigene Haltung diesbezüglich ein wenig überdenken. Denn ich denke, viele Probleme beruhen eben auf dieses Problem. Entweder ich kriege Respekt oder gebe keinen. Eine Lösung, wer aber beginnen soll, wenn doch alle eben Respekt für sich einfordern, die sehe ich nicht.

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3 Kommentare

  1. Die Krähe said,

    13. Mai 2009 um 08:03

    Du sprichst mir aus der Seele. Ich war auch etwas verdutzt, als mein Sohn mit diesem Spruch kam. Da beißt sich nämlich die Schlange ganz gehörig in den Schwanz!
    Darum konterte ich ja auch mit dem Kategorischen Imperativ.
    „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“
    (Mein Sohn will darüber nachdenken, was soviel heißt, als das er seinen Denkfehler eingesehen hat. 16 ist eben ein blödes Alter 😉 )

    Denn man kann ja erst einmal nur bei sich selbst mit einer wünschenswerten Veränderung anfangen…

    Ich bringe jedem Menschen den gleichen Respekt entgegen, jedenfalls bis zu dem Punkt, an dem er etwas sagt oder tut, wodurch er ihn ihn meinen Augen wieder verliert.

    Zu dem, was du weiter oben zu dem Umstand schreibst, dass Gewaltbereitschaft, Brutalität eine größere Legitimation erhält, als Liebe und Erotik, muss ich sagen, dass mir schon allein auffällt, dass es vielen sehr schwer zu fallen scheint, überhaupt Liebe einzugestehen. Liebe anderen Menschen gegenüber, von Selbstliebe ganz zu schweigen.
    Erotik wird, wie du richtig sagst, bestenfalls noch als Porno akzeptiert, aber sobald es von der Thematik her tiefer in die Gefühle geht, wird gelächelt und abgewiegelt, nach dem Motto „Weiberkram“.
    Horror- und Kriegsfilme, harte Psychokrimis, selbst Splatter und vergleichbare Games sind teilweise schon ab 16 (manchmal sogar ab 12) freigegeben, aber wehe irgendwo laufen ein Paar Menschen völlig unbekleidet herum und machen gar Liebe ohne Laken drüber, dann ist der Ofen aus und die Altersfreigabe wird auf 18 hochgesetzt.
    Ich denke mal, das spricht Bände darüber, wo die Wertigkeiten gesetzt werden.

    Aber das geht ja noch weiter. Wenn ich bedenke, wie viele Menschen allein schon bei der, für Thelemiten relevanten, Säule der Liebe („Love is the Law, love under will“ ) im besten Fall denken „Ihr Schweine, Freie Liebe, was?“, in der schlimmsten Ausprägung jedoch von irgendwelchen Sado-Maso-Praktiken ausgehen, finde ich immer erschreckend.
    Wenn man dann erläutert, das sich bei dieser Liebe dann aber um Hingabe, zu sich selbst und allen anderen Geschöpfen gegenüber, handelt, wird komisch geguckt („Blümchenwerfer?“).

    Wohingegen eine durch und durch misanthropische Weltsicht meistens ohne Murren akzeptiert wird.

    Ich finde das komisch, um nicht zu sagen traurig…

    (sorry, ist ein wenig länger geworden, aber ich denke, in diesem Paradoxon liegt der Kern, warum unsere Welt so ist, wie sie ist!)

    LG
    Crow

  2. erdwurzelchen Wolfskatze said,

    16. Mai 2009 um 09:59

    Hallo Crow,

    ab und an müssen Nachrichten lang sein, damit man das sagen kann, was man sagen möchte. Denn ich finde es schlimm, wenn man eine gewisse Zeichenbegrenzung hat und man sich selber beschneiden muss.

    Im Grunde genommen kann ich deine Aussage nur eins zu eins unterschreiben. Denn es erschreckt mich schon, welche Werte in dieser Gesellschaft geachtet und welche verarchtet werden.

    Gut, ich gucke auch gerne ab und an mal einen ordentlichen Horrorfilm oder lese gerne Krimis. Aber es ist nicht zu meiner Lebenseinstellung geworden in dem Sinne das ich sagen kann, nur das und nichts anderes, erst recht keine Liebe. Besonders wird es ja deutlich in der Debatte der Homoehe, finde ich. Lieber diskrimminieren als einfach einzugestehen, dass Homosexuelle ebenfalls das Recht auf die Liebe haben.

    Danke für dein Besuch. Ich gehe in die Ecke und grüble ein wenig ^^

    lllg
    erdchen

  3. 31. Mai 2009 um 13:15

    […] Gewalt, sei dies durch sexuellen Missbrauch, haben keinen Respekt verdient. Ich gebe ihnen keinen Respekt. Und Internetseiten oder der Handel mit entsprechenden Material (seien es Kinderpronographien, sein […]


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