Der Tod und Richard Dawkins

Zur Zeit höre ich das Hörbuch von Richard Dawkins „Der Gotteswahn“. Dabei geht es, um es mal grob zu umschreiben, um die Frage, brauchen wir überhaupt Religionen und sind mir nich genauso moralisch oder moralischer ohne diese, also auch wenn wir AtheistInnen sind. Man kann auch sagen, dass Richard Dawkins für den Atheismus wirbt. Und zwar als eine vernünftige Alternative.

Jedoch möchte ich an dieser Stelle nicht über das (Hör-) Buch schreiben, obwohl es sich sehr lohnt, sondern über den Teil, den ich gerade höre, den ich doch sehr interessant finde.

Wie der Titel dieses Beitrages schon anzeigt, referiert er in diesem Teil über den Tod. Eine Sache die uns alle früher oder später erwartet, auch wenn es die meisten aktuell ignorieren (so wie ich, zugegebenerweise).

Dawkins stellt fest, dass viele Religionen (auch die heidnischen über kurz oder lang) an einem Leben nach dem Tod glauben. Wenn wir also sterben, dann stirbt nur der Körper, die Seele kommt wohin auch immer und lebt dort weiter. Andere hingegen werden, so ihr Glaube, wiedergeboren.

Sein interessanter Einwand war aber jetzt, wenn etwa 95 Prozent der amerikanischen Bevölkerung (da er selber Amerikaner und ihm diese Bevölkerung am nächsten ist, ist es verständlich, dass er sich in erster Linie auf sie bezieht) an einem Leben nach dem Tod glauben, aber gleichzeitig panische Angst vor dem Tod haben.

Er meint, wenn ein Mensch zum Beispiel von seinem Arzt oder seine Ärztin die Nachricht bekommt, es tut uns Leid, sie haben nur noch einen absehbaren Zeitraum zum Leben, die meisten Menschen brechen zusammen. Gläubige wie Nichtgläubige (ich denke, darin sind wir uns mehr oder weniger einig). Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel. Nur warum? Wir kehren doch in eine „Welt“ ein, die man gemeinhim als Paradiesähnlich beschreibt. Müssten wir uns also nicht freuen, wenn wir sterben? Immerhin erfüllt sich für manche ein Lebenslanger Traum (und das in diesem Fall im wahrsten Sinne des Wortes). Sie kommen zu Gott, Göttin, wer auch immer.

Ich glaube die Angst vor dem Tod kann mehrere Gründe haben, wobei ich bedingt andere Gründe erwähne, als Richard Dawkins. Denn er beschreibt dies aus einer streng atheistischen Sichtweise. Natürlich ist das sein gutes Recht. Genauso wie es mein gutes Recht ist, meine eigene Sicht der Dinge zu beschreiben.

Möglichkeiten, weswegen wir Angst vor dem Tod haben könnten:

1 möglicher Grund:

Ich glaube viele haben keine Angst vor dem Tod, sondern eher vor dem Sterben. Denn vom Zustand des Lebens zum Zustand des Todes kommt die Phase des Sterbens. Denn viele, und ich schäme mich nicht das zu sagen das ich dazu gehöre, fürchten ein schmerzhaftes Sterben (einen schmerzhaften Tod kann man eigentlich nicht fürchten, denn wer Tod ist, spürt nichts mehr). Mein persönlicher Traum vom sterben ist, mich hinzulegen, einzuschlafen und nicht mehr aufzuwachen. Der Alptraum von mir ist, ein unglaublicher schmerzhafter Weg zur Erlösung (also der Tod). Und ich kann mir gut vorstellen, dass viele, die den Tod fürchten, nicht direkt ihn fürchten, sondern eben den Weg dorthin.

Ich stelle mir vor wirklich an Krebs zu erkranken und der ist nicht heilbar. Also das mir der sichere Tod bevorsteht. Und anstatt, dass ich mich einschläfern kann, wie jedes liebgewonne Tier darf, muss ich das alles durchhalten, bis mein Körper aufgibt und sagt, ich halte dich nicht mehr fest, du darfst gehen. Denn immerhin sind die meistgen gegen aktive Sterbehilfe (wobei das sich wiederherum lohnt vielleicht mal gesondert zu betrachten).

Und ich denke mal, es gibt Menschen, die sich auf den Tod freuen, aber nicht auf den Weg dahin.

2 möglicher Grund:

Es gibt nichts nachher und das wissen oder fühlen viele. Sie glauben nicht an die Geschichten das nach dem Tod das Paradies, egal in welcher Form, auf sie wartet. Das bedeutet, sie fallen in ein schwarzes Loch und wollen es nicht. Daher halten sie panisch am Leben fest, weil sie ahnen, es ist das einzig reale. Sie können noch so oft im Leben hören, was alles nach dem Tod auf sie wartet, innerlich ahnen sie, da ist nichts.

Daher ist die Aussage, warum man Sterbende nicht beglückwünscht (wie Richard Dawkins es wirklich schrieb) und ihnen liebe Grüße an die Vorausgegangenen mitzunehmen, nicht für alle wirklich aufmunternd. Denn sie wissen, fühlen oder ahnen, dass dort niemand ist. Und genau dorthin wollen sie nicht.

Ich denke, es kann noch viel mehr Gründe geben, warum Menschen Angst vor dem Tod haben. Aber ich muss gestehen, ich habe mir bisher noch nicht diese Art von Gedanken über Leben, Tod und Wiedergeburt gemacht. Es ist schon interessant zu sehen (lesen oder hören könnte man auch sagen bzw. schreiben), wie andere darüber denken und zum Denken anregen.

Übrigens, falls sich jemand sorgen machen sollte, nein, ich springe nicht demnächst aus dem Fenster. Und die leicht abgehobene Sprache habt ihr Dawkins zu verdanken. Man hört nicht tageland das Hörbuch ohne einen gewissen Schaden davon zu tragen 🙂

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1 Kommentar

  1. Alruna Apaika said,

    9. Mai 2009 um 09:01

    Gratulation zu diesem Beitrag. Der Tod wird in unserer Gesellschaft leider viel zu sehr tabuisiert. Wer hat überhaupt schon mal einen toten Menschen gesehen? Man kommt möglichst schnell und diskret in einen Sarg, wird nicht mehr aufgebahrt, keine 3 Tage Totenwache mehr. Interessant ist auch die Antwort vieler Leute, wie sie sich den Tod wünschen würden mit dem Anfang: also wenn es schon sein muss, dann…“. Hallo? Jeder stirbt – es muss also bestimmt sein….. Ich denke auch, dass die größte Angst nicht die vor dem Tod, sondern vor dem Sterben, dem Dahinsiechen und dem Schmerz ist. Und dass die meisten an ein Leben nach dem Tod glauben, ist eigentlich nur logisch. Denn alles wechselt, nichts vergeht. Der Körper wechselt zu Asche, Humus, Nährstoffe, Mineralien, wird also wieder zu Erde. Aber was ist mit dem Geist? Das Fünkchen, das den Menschen ausmachte? Die Energie des Geistes? Das kann man dann je nach Weltanschauung und Religion weiterverfolgen… Kann glauben, oder nicht.


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