Von Namen und Namen

Ursus hat in ihrem Blog einen interessanten Beitrag zum Thema Vornamen und die Verhunzung (also kaputt machende Aussprache) dieser geschrieben. So werden Kinder nicht mit dem richtigen Namen angesprochen, weil die Leute diese, aus welchen Gründen auch immer nicht kapieren, wie es richtig heißt. Dann werden harmlose Namen so verändert, bis sie einen zweifelhaften Wert einer Besonderheit haben oder die armen Kinder bekommen Namen von Stars, weil die gerade In sind und Mama und Papa der Meinung waren, aus dem Kind wird einE zukünftigeR wer auch immer.

Jeder Name macht aus dem Menschen etwas individuelles. Auch wenn zwei Menschen den gleichen Namen führen, tragen sie doch ein individuellen Merkmal. Denn ich bin mit meinem Geburtsnamen, auch wenn er nicht originell ist, doch auf meine Art und Weise damit einmalig. Denn mich, so wie ich bin, gibt es aller Wahrscheinlichkeit kein zweites Mal auf der Welt. Das hat nichts mit arroganz zu tun, sondern ist eher eine Tatsache. Mein Genpool setzt sich aus zwei verschiedenen Menschen zusammen, die wiederherum aus den Genen vierer Menschen dieser Erde zusammengesetzt sind und so weiter und so fort. Ich habe zwar mal gelesen, dass einE GenetikerIn mir da was Husten würde, wegen meiner Einmaligkeit (ich habe da ein Mathebuch, aber ich will mich jetzt nicht aufs Glatteis hinauswagen, in dem Sinne, will ich da gar nicht tiefer einsteigen).

Daher sollte ein wenig mehr Respekt gegenüber der Vergabe der Namen vorgenommen werden (und nicht nur gegenüber der Aussprache). Eigentlich sollte ich Désirée heißen. Denn mein Vater war von DésiréeNosbusch sehr begeistert. Aber meine Oma war damit überhaupt nicht zufrieden und hat dagegen ordentlich gewettert. Wenn es nach ihr gegangen wäre, wäre ich eine Caroline. Warum auch immer. Zu der Zeit lief aber eine Kuh (ich meine damit das Tier Kuh, also ein weiblicher Hausrind) über die Werbelandschaft und meine Mutter meinte, nein, eine Caroline kommt mir nicht ins Haus. Und über diese Ecken kam ich zu meinen heutigen Namen. Und ganz ehrlich, inzwischen kann ich mir auch keinen anderen vorstellen.

Zumal mir die Bedeutung des Namens gefällt. Die Freie, die Unbeugsame bzw. die Gleichheitsliebende. Das alles habe ich schon gelesen. Und die Punkte sehe ich für mich und meiner Seele.

Daher finde ich es wichtig, wenn man ein Kind hat, sollte man diesem armen Wesen nicht einen Namen aus Lust und Laune geben. Wenn es ein Allerweltsname ist, den Eltern aber trotzdem gefällt, dann soll man ihn ruhig dem Kind geben. Eine ehemalige Klassenkameradin muss als Nadin (ohne e) herumlaufen, weil die Hebamme die Eltern dazu überredet hat. Denn zu ihrer Geburt gab es viele Mädchen und da hießen sehr viele Nadine (also mit e). Damit die Hebamme die Kinder unterscheiden kann und damit die neue Erdenbürgerin einmalig ist, sollte sie anders heißen, schlug diese vor. Doch die Eltern bestanden eben auf Nadine, in ihrem Fall aber ohne das e.

Und diese Einmischungen kommen immer wieder vor (wie in meinem Fall). Letztendlich müssen nicht die, die entscheiden, welchen Namen das Kindchen tragen soll, damit herumrennen, sondern eben das Kindchen. Daher, finde ich, sollte man persönliche Vorlieben ein wenig zurückstecken. Denn früher wurden Namen als ein magischer Spruch angesehen. Wer den wahren Namen von etwas oder jemanden kannte, hatte automatisch Macht über dieses oder etwas.

Aber heutzutage ist schick was In ist. Manche suchen sich die Namen aus den Musikcharts oder den Filmen, welche eine Zeitlang auf Platz 1 sind. Da wird sicherlich etwas schickes dabei sein. Bei denen, die wir so bewundern ist so manch eine noch kuriosere Namensvergabe ausgebrochen. So gibt es Kinder die nach Früchten, Städten oder Länder benannt sind. Doppelnamen die eher in eine Lachnummer gehören oder sonstiges. Ich stelle mir das in der Zukunft vor. Die Kinder werden bei ihren Namen gerufen (hoffentlich auch richtig, sonst siehe Ursus Beitrag) und dann kommt ein Birne Bonn werwasauchimmer Aufruf. Schon weiß die Klasse Bescheid. Deine Mama oder dein Papa ist ein Star. Woher weißt du das? Du hast keinen vernünftigen Namen.

Schick ist was In ist. Und die Kinder leiden dann darunter. Juchuuu….

Für mich gilt, sollte ich in diesem Leben wirklich ein Kind auf die Welt bringen, kriegt es einen eigenen Namen. Unabhängig der Tatsache was andere davon halten. Und wenn die es mir ausreden wollen, diskutieren wir mal.

Advertisements

2 Kommentare

  1. Alruna Apaika said,

    22. April 2009 um 16:14

    au ja, ich kenne eine Madlen (statt Madeleine) und einen Zanobi. Die müssen doch ständig ihren Namen buchstabieren. Hihi, ich stell mir grade vor, wie die Mutter am Fenster steht und Zanobi zum Essen ruft. Schön finde ich auch Namen, die mit dem Nachnamen so schön harmonieren: Rosa Schlüpfer, Claire Grube oder Hans Wurst……
    *kicher*
    LG
    Apaika

  2. Weirdsister said,

    25. April 2009 um 12:27

    … oder Axel Nässe… 😉 *hihi* Und „Zanobi“ klingt für mich wie ein Zauberer aus der Sesamstraße… 😉
    Vielen Dank, Erdwurzelchen, für deinen schönen Beitrag! Ich hadere z.B. mit meinem (Geburts-)Vornamen. Er ist nicht hässlich, aber ich fühle mich nun mal nicht als … . Nun ist es auch so, dass meine Eltern sich erst bei meiner Geburt, als der Doktor nach dem Namen gefragt hat, schnell einen Namen aus den Rippen geleiert haben, weil sie irgendwas sagen mussten (Mutter zu Vater: „Du findest doch die Sängerin … gut, wollen wir sie nicht … nennen?“ Vater: *unverständliches Grummeln*), und so hieß ich dann. Ich habe mir privat inzwischen einen anderen Vornamen gegeben und bitte andere, mich so zu nennen. Namen werden heutzutage viel zu leichtfertig vergeben, eben auch wie du sagst nach Mode. Besonders schlimm ist es in den sog. „Unterschichtenfamilien“, wo gern französische oder englische Modenamen vergeben werden, die gar nicht zum Nachnamen passen. Z.B. habe in so einer Doku gesehen, wo eine dieser Mütter ihren kleinen Sohn Brad-Taylor und das Töchterchen Beverly genannt hat. Und dann wird im schönsten Ghetto-Slang im Supermarkt nach den Kindern gerufen – schrecklich! Also – von daher brauchst du dir gar keine Sorgen zu machen, dass Obst- oder Städtenamenkinder in Zukunft als Prominentennachwuchs erkannt werden – „das einfache Volk“ imitiert solche Modeerscheinungen schneller als einem lieb ist. ;-)))
    Ich finde es schade, dass sich die Kinder in Deutschland, wenn sie in die Pubertät kommen, nicht einen neuen Namen geben dürfen, wie es bei den amerikanischen Ureinwohnern üblich war/ist. Einen Namen, mit dem sie sich auch identifizieren können. Der sie frei macht von den elterlichen Projektionen.
    Danke nochmal und liebe Grüße
    Sista


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: