Wie kritisiere ich richtig?

Ich weiß nicht, hattet ihr schon mal eine Geschichte einer Person gegeben die dann eine Kritik/Meinung/was auch immer abgab und ihr nur noch das Bedürfnis hattet nie mehr zu schreiben? Nie wieder ein Stift in die Hand nehmen und ein Wort auf dem Papier schreiben, nie wieder ein Schreibprogramm zu öffnen und etwas zu tippen?

Wenn nicht, dann habt ihr entweder verdammt viel Glück mit euren BetaLeserInnen gehabt oder noch nie eine Geschichte weitergereicht.

Ich habe nichts gegen fundierte Kritik. Nun gut, ich habe was dagegen. Denn gerade als Löwin bin ich bis zu einem gewissen Grad von mir eingenommen. Ich schreibe gut und ich schreibe toll, zumindest erhoffe ich mir das. Und natürlich sollen die anderen das auch begreifen (das sind übrigens gerade Wahnvorstellungen von mir, falls das nicht rübergekommen ist).

Klar das Kritik dann ein wenig weh tut. Aber wir werden ein Leben lang kritisiert und es kommt auf uns an, dass wir diese annehmen können. Es kommt aber auch auf die Leute an, die kritisieren wie sie es tun.

Wenn ich kritisiere möchte ich einerseits meine persönliche Meinung zu einer Geschichte ausdrücken und gleichzeitig dem Autor oder der Autor Tipps und Ratschläge geben, wie sie/er es besser machen könnte. Das heißt natürlich nicht, dass die Person es annehmen muss. Immerhin sind es in erster Linie Ratschläge die man gibt, keine Befehle die man umzusetzen hat (die kannst du dir gerne bei der Bundeswehr abholen, dafür bin ich nicht da).

Aber es gibt eben Leute, die einfach nur sagen, dass eine Geschichte grottenschlecht sei und egal zu welchem Thema man etwas zu sagen hat, es ist eine reine Zeitverschwendung gewesen, dass man sich überhaupt hingesetzt hat um etwas zu schreiben.

Ich möchte gleich sagen, niemals ist es eine Zeitverschwendung sich hinzusetzen um etwas zu schreiben. Es mag nicht gut genug gewesen sein um veröffentlicht zu werden (außer in einem Forum, Blog oder derartiges), aber es ist gut genug fürs schreiben. Und das ist es schon einmal wert gewesen.

Was sollte man also beachten, wenn man kritisiert?

Ich finde, man sollte sich abgewöhnen eine allgemeine Meinung abzugeben. Nur ich kritisiere die Geschichte, nicht meine Familie, nicht meine FreundInnen und nicht jemand aus dem Supermarkt. Daher sollte man das Wort „Ich“ immer benutzen. Damit mache ich meine Kritik individueller, persönlicher, authentischer aber auch angreifbarer. Denn ich kann nur eine individuelle, persönliche Sicht abgeben und die könnte natürlich falsch sein (das sind allgemeine Gedanken, denn eine individuelle Meinung ist eben eine individuelle Meinung und somit niemals falsch).

Aber wenn ich schreibe, die Geschichte ist schlecht, meine ich vielleicht, ich finde die Geschichte schlecht, aber es kommt an, dass die Geschichte im allgemeinen schlecht ist und ich sie am besten verbrennen sollte. Wenn ich die Meinung allgemein abgebe, tut sie auch mehr weh, wenn ich eine individuelle Meinung gebe, dann ist sie genau das, individuell.

In einem Forum wird gerade eine Geschichte besprochen von einem Autor (ja, männlich). Ich persönlich fand die Idee sehr gut, aber eben nicht die Umsetzung, für mich war sie sehr anstrengend. Die Menschen sind es wohl nicht gewohnt, dass man eine individuelle Meinung abgeben kann und meinten, dass ich die Geschichte allgemein schlecht fand. Das tue ich nicht mehr (gut, in meinen früheren Jahren war ich eben doof, ich habe mir selbst beigebracht, dass das nicht gut ist). Also habe ich diesen Eindruck noch mal betont, wie ich die Geschichte fand und das es eben meine Meinung ist. Immerhin gibt es Menschen in diesem Forum, welche diese Kurzgeschichte wundervoll fanden.

Und darauf möchte ich hinaus. Wenn eine Person eine Geschichte grottig findet, muss das nicht bedeuten, dass sie es auch ist. Denn Dutzend andere Menschen können sie so toll halten, dass sie unbedingt veröffentlicht werden muss.

Also wenn man kritisiert, sollte man immer das Wort Ich benutzen.

Weiterhin ist eine Geschichte niemals von Hause aus schlecht. Die Idee kann gut sein, die Umsetzung aber schlecht oder andersherum. Es kann sein, dass es nur an der Rechtschreibung hapert oder das bestimmte Regeln des Schreibens nicht eingehalten wurden (aber die Idee ist eben noch gut). Finde auch etwas positives in der Geschichte und teile es der Person mit. Denn auch Profis brauchen ab und an eine Bestätigung, dass eben nicht alles schlecht ist, sondern nur fast alles.

Und auch wenn du etwas negatives sagen musst, weil es einfach absolut falsch ist, dann kannst du mit Wortvarianten verhindern, dass die Person das Bedürfnis hat, niemals mehr zu schreiben. Schreibe also nicht „Du bist ja sooo blöde, dass du das schreibst“. Das tut keiner Seele gut. Dafür kannst du zum Beispiel schreiben (oder auch sagen wenn ihr euch persönlich getroffen habt), dieses oder jenes finde ich nicht gut, ich hätte es so oder so geschrieben, dafür fand ich aber dieses oder welches gut (merkst du, da ist wieder das Wort Ich). Wenn du also kritisierst, dann hebe negative Meinungen nicht so hervor, so das du der Person weh tust. Sage ihr zwar ehrlich die Meinung, aber beleidige sie nicht oder mache sie fertig. Und schreibe auch etwas positives, denn wie geschrieben, eine Geschichte ist nicht per se schlecht. Sie kann zu großen Teilen schlecht sein, aber nicht alles ist grottig.

Sei trotz allem ehrlich mit deiner Meinung. Es bringt nichts, wenn du dich so verstellst, dass am Ende der schreibenden Person nicht geholfen werden kann. Beschönige nichts, sondern sage, was dir gefällt oder was dir auch nicht gefällt. Wenn du das nicht kannst, dann kritisiere keinen Text. Und wenn du kritisiert hast, ist es schön, wenn du dich noch einmal zur Verfügung stellen kannst um den veränderten Text noch einmal durchzulesen und zu sagen ob er dir dann besser gefällt. Solltest du aber mit der Thematik, der Person, dem Text oder was auch immer nichts anfangen können, dann lasse es von vornherein sein. Kritisiere nicht, wenn du nicht kannst, willst oder was auch immer 🙂

So, dass waren meine Tipps 🙂 (Sollte mir noch etwas einfallen, ergänze ich diesen Beitrag). Hier sind sie noch mal kurz in der Übersicht.

  • Also wenn man kritisiert, sollte man immer das Wort Ich benutzen.
  • Versuche negative Kritik nicht beleidigend rüberzubringen und erwähne auch etwas positives. Man findet immer etwas, wenn man will.
  • Kritisiere ehrlich und nur dann, wenn du es auch möchtest und bei Bedarf auch den überarbeiteten Text.

Es gibt Menschen, die kritisieren/rezensieren schlecht, weil sie irgendwie schlecht drauf sind. Ich weiß es nicht. Da kann die Geschichte, der Roman oder das Gedicht noch so gut sein, wir müssen sie ja verreißen. Ich weiß nicht, was in solchen Menschen vor sich geht, aber ich vermute mal, das sie schon ihre Gründe dafür haben. Solche Leute sollten dich niemals runter ziehen dürfen. Vergiss sie, ignoriere ihre Meinungen und sage einfach danke für den Fisch. Mehr kann man da nicht tun. Außer das du weißt, dass du in Zukunft nie wieder mit diesen Menschen arbeiten wirst.

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1 Kommentar

  1. Luiza said,

    14. Februar 2009 um 18:59

    Schöner Text.
    Oft stellt sich aber eine Frage: wie nehme ich Kritik an?
    Du schreibst, dass manchmal schlecht kritisiert wird, launenabhängig.
    Die Laune ist aber, so meine Meinung, ein ausschlaggebender Punkt.
    Bin ich immer in der Lage, eine Kritik anzunehmen und etwas damit anzufangen, nur weil mein Gegenüber schlecht gelaunt ist? Wahrscheinlich nicht einfach, aber man kann es lernen.

    Geniess das Wochenende!

    Viele Grüsse

    Luiza


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