Erschaffung eins Charakters

Wolltest du schon mal Göttin spielen? Dann hast du bei der Schöpfung eines Charakters die beste Möglichkeiten dazu (natürlich darfst du dafür auch Gott spielen ^^). Und ja, ich schreibe im Moment sehr viel übers schreiben, ich werde mich demnächst wieder ein wenig um den Spirikram kümmern 🙂

Aber was ist denn eigentlich ein literarischer Charakter? Ein Charkter ist eine Figur in einem Roman, einer Kurzgeschichte, Theaterstück oder sonstiges (kann natürlich auch auf andere Medien übertragen werden), welche die Geschichte tragen und voranbringen sollen. Wenn du eine Figur in deine Geschichte einbringst, die einfach nur existiert, aber zur Geschichte selber nichts beiträgst, wirst du dich früher oder später mit der Frage herumschlagen, was sollte das? Warum hast du dir überhaupt die Mühe gegeben und diese Figur erschaffen? Die ist so etwas von sinnlos.

Daher muss jede Figur in deiner Geschichte irgendeine Bedeutung haben. Auch wenn deine Figur nur eine Zeitung verkauft und danach in die Versenkung deiner Schublade verloren geht, dieser Kauf muss früher oder später irgendeinen Sinn haben. Das betrifft übrigens auch sämtliche Ereignisse in der Geschichte, kein Ereigniss ohne irgendeinen Sinn.

Bei der Erschaffung deiner Figur darfst du theoretisch die alle Freiheiten nehmen, die du haben magst. Denn es gibt keine Regeln, keine Grenzen, keine Einschränkungen. Nun gut, der gute Geschmack sollte schon eine Rolle spielen.

Es gibt einige Sachen, die du dann doch vermeiden solltest. Aber kommen wir erst einmal zu den Grundlagen die du dir überlegen magst zu übernehmen.

Wenn ich einen Charakter erfinde, habe ich erst einmal eine grobe Vorstellung von ihr. Das überschneidet sich übrigens auch mit der Namensgebung. Ich schreibe erst einmal auf, mit wem habe ich es denn überhaupt zu tun? Dabei kann ich nur die emotionale Ebene beschreiben, aber auch die soziologische Ebene (woher kommt sie, wer sind seine Freunde und so weiter). Schnapp dir ein Stück Papier und skizziere erst einmal deinen Charakter. Welche Besonderheit macht ihn aus, wieso solltest du über sie schreiben (die Wahrscheinlichkeit, dass du am Anfang über die Hauptperson schreibst ist sehr groß). Du kannst auch schon erste Teile einer Biographie aufschreiben, wenn dir wichtige Punkte einfallen. Nachher ist es immer noch möglich diese zu überarbeiten. Aber lieber einmal zu viel aufschreiben als das du wichtige Daten vergisst.

Der Name ist dann der nächste wichtige Punkt. Es kann sein, dass du bei den ersten Gedanken einen Namen hast oder auch nicht. Spätestens jetzt ist es an der Zeit deiner Figur einen Namen zu geben. Auch hier gibt es keine Regeln, Hauptsache der passt zum Charakter. Wenn du dir einen Charakter überlegst, der ein harter Kerl ist, jeden Windelweich prügelt der ihn auch nur schief anguckt und Steine zum Frühstück mampft, klar das man bei solch einem Kerl auf den Nachnamen Schwan oder Engel kommt. Nicht unbedingt überzeugend? Stimmt. Andererseits kannst du auch solche Spielereien nehmen um die LeserInnen zu verwirren. Man redet über einen Typen namens Engel und dann kommt eben dieser prügelnde, steinefressender Muskelprotz rein. Hat doch was. Auf alle Fälle braucht deine Figur einen Namen der auch zu ihr/ihm wirklich passt, egal ob du die Leute hereinlegen willst oder nicht. Und noch ein kleiner Tipp, du solltest nur mit einem Hintergrund zwei Personen den gleichen Namen geben. In erster Linie dann, wenn es um eine Verwechslung gehen kann oder wenn du ein wenig Verwirrung stiften möchtest. Sonst verwirrst du deine LeserInnen nur noch. Und zu viel verwirren ist auf Dauer auch nicht sauber.

Das Aussehen ist auch sehr wichtig. Denn eine Figur, eine Person, ein Mensch wird über das Aussehen eingestuft. Kennst du das Sprichwort „Kleider machen Leute“?. Das ist gar nicht mal so falsch. Jetzt stell dir mal folgende Szene vor. Du gehst über die Straße und siehst einen jungen Mann (kann natürlich auch eine Frau sein). Der trägt einen teuren Anzug mit Kravatte und allem drum herum. Dann geht er in eine Telefonzelle und zieht sich Rastafariklamotten an. Was würdest du über diese Person sagen, wenn du nicht wüsstest das sie ein und dieselbe Person sind? Daher überlege dir einen Stil der Kleidung, der Musik, der Literatur, welche deine Person ausmachen. Denn darüber identifiziert sie sich. Es gibt Menschen (in der realen Welt wohlgemeint), die nur aus bestimmten Gründen Bücher lesen, Musik hören oder Filme gucken, eben weil es zu der Welt gehört in der sie zugehörig sein möchten. Dabei kann es sein, dass sie die Sachen nicht einmal mögen (auch das solltest du dann in deinem Charakterbogen erwähnen, wenn es so ist).

Die Vergangenheit ist unsere Wurzel, unser Hintergrund. Ohne unsere Vergangenheit sind wir nicht das, was wir heute sind. Also überlege dir die historische Vergangenheit deiner Figur. Wenn sie noch recht jung ist, kann das schnell gehen. Ist sie dagegen älter, braucht das eben seine Zeit. Dazu kannst du einen Text schreiben, der die Lebensgeschichte darstellt, aber auch eine Liste der Lebensdaten. Wie in einer Bewerbung. Natürlich kommt hier die Familie auch zu Wort, wie FreundInnen, LehrerInnen und auch FeindInnen.

Nun kommt es auf die Figur an. Welche Einstellung hat er gegenüber den Menschen, wie sieht sie das Universum, was sind die Träume und Hoffnungen deiner Figur. Was mag er und was mag sie nicht. Hier kommt es darauf an, mit wem wir es als LeserInnen zu tun haben. Hier geht es um die Figur in allen Facetten. Politische Einstellungen, Charakterzüge und all diese Dinge. Also ein Bereich wo du dich ordentlich austoben darfst.

Die physische Beschreibung ist auch wichtig, die auch in die emotionale Beschreibung münden kann. Wie stark ist deine Figur. Damit ist schon die körperliche Stärke gemeint, aber auch die seelische. Es ist in Ordnung wenn deine Figur ohne weiteres einen Marathon laufen kann, aber wie sieht es aus, wenn er Blut sieht? Bricht er da zusammen?

Aber deine Figur ist nicht nur Körper, sondern auch Geist. Also wie intelligent ist er, was interessiert sie, was ist seine Schwäche (z.B. Mathe) und wo sind ihre Stärken? Übrigens, hier solltest du nicht schlampen, sondern dir besonders viel Mühe geben, denn hier können die wichtigen Punkte für ein Konflikt gelegt werden 🙂

Das aktuelle soziale Umfeld muss auch betrachtet werden. Wer sind aktuell die FreundInnen deiner Figur? Wo arbeitet sie (sofern sie arbeitet und nicht Arbeitssuchend ist, dann musst du die Personen der Ämter beschreiben), wo kauft sie ein und so weiter. Das ganze soziale Umfeld kann hier beschrieben werden (auch die aktuelle Familie).

Nun kommen wir noch mal auf die Seele deiner Figur zu sprechen. Wie selbstbewusst oder auch nicht ist deine Figur eigentlich? Wie fühlt sie bei bestimmten Dingen (Tiere, Menschen, Ungerechtigkeiten) und all diese Dinge. Hier geht es tief in den Teich hinein.

Aber auch besondere Merkmale sind wichtig. Das können Äußerlichkeiten sein wie eine Tätowierung oder eine besonder Frisur. Es können aber auch Gewohnheiten sein wie sich dauernd kratzen oder ähnliches. Hier kannst du deiner Figur einen individuellen Touch geben. Es gibt genügend Anzugträger, aber was macht deinen zu einen Individuum?

Und wie sieht ein alltäglicher Tag bei deiner Figur aus? Wann steht sie auf, steht sie gerne auf, was macht sie dann, putzt sie überhaupt die Zähne, wie zieht sie sich an … Das sind alles Punkte, die du dir notieren kannst. Wobei man noch einen Unterschied zwischen einem Arbeitstag, einem freien Tag, einem Urlaubstag … machen kann.

Ganz wichtig ist der Konflikt. Ohne Konflikt gibt es auf Dauer kein Roman (egal um was es sich dreht, die Leute müssen sich ja nicht an die Gurgel gehen, aber irgendetwas muss es geben wo es Differenzen zwischen zwei Personen oder eine Person und etwas anderes gibt). Also worüber ärgert sich deine Figur und klettert so richtig die Tapete rauf? Was will sie ändern oder wo fühlt sie sich ausgebeutet oder oder oder… Hier kannst du auch die Idee deines Romans umsetzen, wenn du möchtest. Aber ein Konflikt muss sein.

Alles was du bisher aufgeschrieben hast, darfst du nicht unbedingt deinen LeserInnen zeigen. Denn sie werden sich auf Dauer langweilen. Weiterhin gibt es ein Sprichwort, nicht beschreiben sondern zeigen. Überlege dir nun, was du alles in deinem Roman direkt ansprechen kannst und was du indirekt zeigst. Du musst deine Figur kennen um mit ihm/ihr überhaupt arbeiten zu können. Daher werden die Hintergrundinfos immer mehr sein als du letztendlich in deiner Geschichte einfließen lässt.

Dann ist es noch wichtig herauszufinden, wie sich deine Figur entwickeln wird. Sie ist ja kein Stein und bleibt auf einer Stufe stehen. Also wie hat sich deine Figur bisher entwickelt und wie wird sich deine Figur in der Geschichte entwickeln? Das sind ganz wichtige Punkte und können sich natürlich ändern. Aber als grobe Richtlinie kannst du dir da schon was notieren.

So, dass wärs 🙂

Hier sind noch zwei Beiträge, die dir weiterhelfen, wenn du noch mehr Tipps und Tricks brauchst:

Brauche ich das alles wirklich? und Charakterbögen Ich hoffe, das hilft dir ein wenig weiter.

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