Mein Gewicht und ich

Amala hat einen sehr interessanten Beitrag zum Thema Gewicht geschrieben. In der heutigen Zeit scheint es fast, als gäbe es kein wichtigeres Thema als das Gewicht, bzw. das Nichtgewicht (oder wie kann man die Leute, welche sich so weit abhungern um in Größe 0 zu passen beschreiben?).

Schalten wir das Fernsehen ein, kommen uns irgendwelche Sendungen entgegen, welche den Menschen zeigt, bist du nicht nach der Norm gepolt, kannst du eigentlich dein Leben vergessen (es mag sein, dass meine Meinung zu den Sendungen nicht einmal der Hintergedanke der ProduzentInnen sind, aber es kommt zumindest bei mir so an).

Ich gebe zu, eine Zeitlang habe ich mir diverse Dummsendungen angesehen, wo es unter anderem darum ging, dass einige Mädels mit ihren Brüsten nicht zufrieden sind. Das Ergebnis war, eine Zeitlang hatte ich ernsthafte Probleme mit meinen eigenen Brüsten, die zwar schön groß aber nicht genormt sind. Unabhängig der Tatsache, dass es keine Normbrüste gibt und jeder Mensch individuell sind, ich weiß das, mein Unterbewusstsein hatte das aber eine Zeitlang vergessen.

Und es gibt genügend Sendungen wie, ich bin zu dick, saug mir das Fett ab oder du bist heiß, weil du schlank bist. Weiter geht es dann noch mit der Mode, die es ab einer gewissen Größe nicht mehr gibt. Seien wir mal da ehrlich, wie soll ich denn da keine Komplexe bekommen? Und da reden die Leute davon, dass die Medien den Menschen nicht einreden wollen, dass sie zu fett sind. Wie geschrieben, vielleicht ist es wirklich nicht der Hintergedanke, aber Überraschung, sie schaffen es doch.

Ich hatte eigentlich immer das Gefühl gehabt, dick zu sein. Früher vielleicht nicht so schlimm wie heute, aber ich gehörte bis zur Mittelstufe immer zu den Größten in meiner Klasse. Ich war die Jüngste (ein Jahr zu früh eingeschult, aus versehen übrigens) und eben die Größte. Warum auch immer, denn meine Eltern selber sind nicht Großgewachsen.

Irgendwann habe ich dann begonnen zu essen, um mich zu schützen. Denn ein Geschwister von mir (ich schreibe das absichtlich so, denn es geht niemand etwas an, ob es ein Bruder oder eine Schwester war oder vielleicht beide oder niemand oder wer auch immer ^^) fing dann mit dem häuslichen Terror an. Dies ging mir persönlich zu weit und ich habe das alles damals nicht so verstanden, wie meine Eltern und war dem ganzen auf eine andere Art und Weise ausgesetzt als diese. Ich habe mir also ein Schutzpanzer angefressen, um mich vor dem Terror dieser Peson, aber auch vor meinen MitschülerInnen zu schützen. Und das war Mobbing erster Güte, was diese Leute mit mir betrieben haben. Das kann man nicht mehr anders bezeichnen. Nur leider war ich zu ängstlich und zu schüchtern, um mir Hilfe zu holen. Und unter diesem Terror leide ich noch heute.

Dann kam auch das Frustessen. Keine Ausbildung, kein Job und all diese Dinge. Da hat man meistens nur drei Möglichkeiten: Drogen, Alkohol oder Essen (nun gut, es gibt mehrere Möglichkeiten, aber im groben kann man das so schreiben). Desweiteren, auch wenn das vielleicht noch nicht bei vielen angekommen ist, kann Essen auch eine Sucht sein. Nicht nur Magersucht, sondern auch Esssucht. Das kann regelrecht zur Krankheit werden ( Adipositas ). Und auch solche Menschen brauchen psychologische Hilfe. (Ob ich jetzt selber davon betroffen bin, weiß ich nicht, dazu müsste ich mal zu einer entsprechenden Sitzung eigentlich gehen.)

Heute bin ich noch zu dick und habe auch immer wieder mal einige Kilos abgenommen. Aber auch wieder zugenommen. Dieses Jahr habe ich aber beschlossen, an mir zu arbeiten und dann sehen wir weiter. Aber so mager dünn werden, dass ist nicht mein Ziel.

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3 Kommentare

  1. yggdrasil said,

    25. Januar 2009 um 13:25

    Hallo!

    Ich habe auch schon überlegt ob ich zu dem Thema etwas auf meinem Blog veröffentlichen soll (Da hast du was losgetreten Amala 😉 )
    Aber du sprichst mir hier eigentlich aus dem Herzen.
    Ich bin auch gemobbt worden, aber glücklicherweise hatte ich außerhalb der Schule so viel Ausgleich, dass sich das Frustfressen nicht sonderlich bemerktbar gemacht hat. Als ich dann das Abitur hatte und umgezogen bin kam ich mit mir selber nicht mehr zurecht. Ich habe mich total eingeigelt und abgekapselt. Ich achtete immer weniger auf mich, aß wenn nur ungesundes Zeug etc. Dazu kamen dann noch die Pille und mehr oder minder regelmäßige Kortisongaben. Innerhalb von gut 8 Jahren habe ich fast 30 kg zugenommen.

    Ich persönlich fühle mich damit nicht mehr wohl und merke es auch an mir, das mein Körper das nicht sonderlich gut findet. Da meine persönliche Schmwerzgrenze jetzt erreicht ist, versuche ich seit einigen Wochen abzunehmen. Ich koche zwar nicht immer kalorienarm und es gibt auch bewegungstechnisch die eine oder andere Baustelle, aber ich arbeite dran.

    Wenn andere Leute aber mit meinem, oder einem höheren Gewicht ihr Wohlfühlgewicht haben finde ich das in Ordnung. Das macht aus einem guten ja keinen schlechten Menschen. Ich habe dünne, fast schon dürre Freunde/ Bekannte und auch stark übergewichtige Freunde/ Bekannte. Wie jemand aussieht ist mir genau so egal wie die Hautfarbe/ Nationalität/ Schuhgröße/ Religion/ etc. pp. eines Menschen.
    Leider wird die Welt um uns herum immer oberflächlicher und seichter.

    LG
    ygg

  2. Alruna Apaika said,

    25. Januar 2009 um 13:44

    Es wird einfach immer auf dem-/derjenigen herumgehackt, der/die nicht dem Durchschnitt entspricht. Da ist es völlig egal ob du dick oder dünn bist. Wenn eine traumhaft aussieht, dann wird sie bestimmt ausgegrenzt, weil sie angeblich arrogant oder doof oder sonstwas sein soll. Das sind doch immer nur Dinge die vorgeschoben werden und alle machen mit, weil sie froh sind, dass sie selber in Ruhe gelassen werden.
    Ich war übrigens auch immer die Größte der Klasse und dazu klapperdürr. Mein Selbstschutz war ein loses Mundwerk, mit dem ich lächelnd zielsichere Pfeile abschoss. Kann ich jeder nur empfehlen, hat wunderbar gewirkt…

  3. 25. Januar 2009 um 17:58

    na, freut mich doch, wenn ich da was losgetreten habe 😀

    ich wollte noch eine anekdote aus dem krankenhaus loswerden. ich wurde mit 80 kg bei 181 cm körpergröße eingeliefert. in meiner akte wurde in roten, großen lettern vermerkt: ADIPÖSER ERNÄHRUNGSZUSTAND. ach, echt jetzt? dabei war ich ziemlich muskulös, habe viel sport gemacht.

    als ich in die reha kam, wog ich wegen bewegungsmangels durch rollstuhl 120 kg. auch da hieß es wieder: ADIPÖSER ERNÄHRUNGSZUSTAND. ja nee, is klar.

    es ist also für die arztschnarcher ganz gleichgültig, ob ich nun 80 oder 120 kg wiege, ich bin auf alle fälle fett. na, dann kann ich mir das kalorienzählen ja sparen *lol*

    außerdem wurde ich in der reha (mit 120 kg) ständig für diabetes-tests eingetragen, wogegen ich mich strikt gewehrt habe. warum soll ich denn einen blutzuckertest über mich ergehen lassen (und sorry, ich finde dieses gehacke in meine fingerspitzen ätzend), wo ich keinerlei anzeichen für eine diabetes habe!? nur weil ich übergewichtig bin?! geht es!!?

    ich glaube, auch bei den göttern in weiß herrscht das vorurteil fett = krank = fehlernährt. interessant war dann das gesicht des stationsarztes, als ich ihm vorgehalten habe, wie ungesund das klinikfutter ist und daß ich mich weigere, diesen weißmehl-fett-zucker-brei zu mir zu nehmen *gg*


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