Roman oder Geschichten schreiben ~ Die Geschichte

Die folgende Überlegung ist ein tick schwierig. Denn es gibt ja das Problem, fängt man mit der groben Geschichte an oder doch eher mit den Charakteren oder wie sieht es denn mit den Konflikten aus?

Ich selber fange mit dem groben Verlauf der Geschichte an, damit ich überhaupt weiß, welche Charaktere auftauchen könnten und ich diese brauch und die Konflikte kann man immer noch einbauen (dafür wird es dann Extrabeiträge geben).

Wer eine Idee hat, hat meistens auch eine grobe Geschichte im Kopf. Und die schreibe ich dann nieder. Wie eine Art Aufsatz oder Zusammenfassung für ein Buch. Also schnappe ich mir was zu schreiben. Wenn ich einen ganzen Roman dazu schreibe organisiere ich mir auch schon mal einen dicken Blog oder gar eine Art Tagebuch und schreibe alles da rein. Und wenn ich alles schreibe, dann meine ich es auch so 🙂

Das kann von Sätzen sein, die ich gut finde und daher gerne verwenden möchte, bis hin zu Ideen für Szenen, Ausarbeitung der Kapitel, Charakterisierungen und so weiter. Daher benötige ich dafür einen dicken Buch, damit ich genügend Platz dafür habe. Denn je dünner das Notizbuch, desto eingeschränkter fühle ich mich.

Also setze ich mich hin und schreibe einfach drauf los. Man kann nicht von Anfang an planen und ich habe auch mal gelesen, dass es AutorInnen gibt, die es für kreativen Mord an sich selber halten, wenn man alles bis zum letzten Augenblick plant. Dann wirkt eben alles so „planlich“ (ja, ich weiß das es dieses Wort nicht im Duden gibt ^^).

Aber damit man erst einmal grob den Weg kennt, sollte man sich schon überlegen, wie die Geschichte verlaufen könnte. Denn ich finde, so ganz planlos sollte man nicht in die Angelegenheit gehen. Am Ende kann man immer noch alles abändern (was ich in den letzten drei Jahren mindestens vier oder fünfmal geschafft habe).

Nun gut, da ja gewisse Personen (nein, ich schaue niemanden direkt an, lachZ) wissen möchte wie die Geschichte mit Thomas und Michael laufen könnte, schreibe ich hier eine Möglichkeit auf.

Zusammenfassung der Geschichte:

Thomas ist ein guter aber eher erfolgloser Tarotleger aus Berlin. Er hält sich mit Gelegenheitsarbeiten über Wasser und legt eher nebenbei die Karten, wobei seine Legungen immer zutreffen bzw. seine Ratschläge. Freunde hat er kaum, daher ist er meistens alleine und ein Stubenhocker.

Man kann auch schon einige Charakterisierungen vornehmen, wenn man da schon etwas weiß.

Einer seiner besten Freunde ist Michael, der bei der Mordkommision arbeitet, verheiratet ist und drei Kinder hat (zwei Mädchen und ein Junge). Er selber denkt sich sein Teil über Thomas und das Karten legen (er hält es für Blödsinn und meidet diesen Teil seiner Persönlichkeit).

In der Geschichte selber werden solche Sachen meistens nach und nach eröffnet, in den Zusammenfassungen, Notizen zu den Kapiteln oder Charakteranalysen solltest du nichts vor dir selber verheimlichen, denn du musst ja wissen, wer oder was deine Charakter sind.

Michael wird dann an einem Freitagabend, als er eigentlich mit seiner Frau Andrea ins Kino wollte (möglicher Stoff für Konflikte) zu einem Tatort gerufen. Das Mordopfer ist ein Kind und es wurde grausam zugerichtet. Sein Partner Andreas (hier haben wir einen Charakter der in der ursprünglichen Idee natürlich nicht aufgetaucht ist und nun haben wir die Möglichkeit mit ihm zu arbeiten) hat schon die ersten Anweisungen gegeben (kann irgendwann präzisiert werden, Kleiner Tipp, wer Krimis schreibt, sollte sich auf alle Fälle entsprechende Literatur besorgen) und zusammen untersuchen die beiden den Mord.

Andreas ist das komplette Gegenteil von Michael, denn er glaubt an das Übersinnliche und auch an das Tarot (wie man sieht, ich entferne mich schon von meiner Grundidee, denn da habe ich geschrieben, dass Michael Thomas ins Boot holt, es geht aber nun Richtung Andreas). Er interessiert sich auch noch für das FBI und weiß daher, dass sie öfters Medien holen um ihnen bei der Arbeit zu helfen (ein guter Vorwand um zu recherchieren und entsprechende Informationen einzubauen).

Per Zufall trifft er Thomas (wie der Zufall aussehen kann, kann man bei Bedarf noch ausbauen) und merkt, dass seine Vorhersagen immer zutreffen (oder seine Ratschläge, wie man ein schlimmes Schicksal abwenden kann). Daher überredet er seinen Vorgesetzten (Polizeiränge in Deutschland ist das nächste, was man recherchieren kann) Thomas um seine Mithilfe zu bitten, was dieser dann zustimmt.

Michael ist darüber nicht sonderlich begeistert, denn er weiß, dass Thomas schwul ist (wie geschrieben, keine Geheimnisse) und Michael selber ist ein wenig Homophob (natürlich muss man sich hier überlegen, wieso er überhaupt mit Thomas befreundet ist, hat er doch etwas gegen seine Homosexualität). Zumal er befürchtet, dass Thomas mal was von Michael wollen könnte (Klischees dürfen ab und an mal verwendet werden, aber man sollte es nicht übertreiben).

Zusammen arbeiten sie mit Thomas, auch wenn Michael ihm gerne fernbleibt, und es stellen sich die ersten Erfolge ein (natürlich muss man sich hier ein wenig mit dem Tarot auskennen und sich genau überlegen, welche Karte die Erfolge zeigen). Weitere Leichen können so gefunden werden, aber nicht der Mörder (das muss man nun auch erklären, warum denn nicht?). Darüber ist Michael so gereizt, dass es mit Andreas deswegen zu einem Streit kommt. Denn er ist der offiziellen Meinung, dass Thomas eher die Leute an der Nase herumführt. Es kommt sogar so weit, dass er Thomas als den Mörder ansieht und daher weiß wo die Leichen sind aber nicht verrät wer der Mörder ist (gutes Konfliktpotential). So kommt es auch zum Bruch zwischen Thomas und Michael und die beiden Freunde trennen ihre Wege.

Doch Andreas glaubt an die Fähigkeiten von Thomas und bittet ihn weiter um Rat und Hilfe. Da Michael inzwischen dem Vorgesetzten (im Moment weniger interessant ihm eine Persönlichkeit zu geben, zumindest für mich nicht) überzeugt hat, dass alles Blödsinn ist, kommt alles zu einem Selbstläufer. Denn auf einmal steht Thomas im Zentrum der Ermittlungen. Und das war etwas, was Andreas nicht wollte, nicht einmal Michael.

Thomas wird verhaftet und eingesperrt (auch hier sind Recherchen notwendig, wie das mit einem einhaftieren in Deutschland verläuft). Weiter wird er als potentieller Mörder verhört und niemand glaubt ihm, dass er nicht die Morde begangen hat. Es gibt sogar zu viele Zufälle, also das Thomas immer wieder in der Nähe der Fundorte war, dass sogar Andreas ein wenig an Thomas zu zweifeln beginnt (das muss man natürlich überzeugend rüberbringen, warum gerade Andreas, der doch so lange an ihn geglaubt hat, auf einmal an ihm zweifelt).

Doch gerade als sie glauben den Mörder geschnappt zu haben, schlägt der wahre Mörder zu. Und aufgrund des sogenannten Modus Operandi (wer nicht weiß was das ist, weiß was jetzt zu tun ist ^^ Recherchen) müssen sie sich eingestehen, es konnte Thomas nicht gewesen sein, also wird er entlassen.

Andreas entschuldigt sich bei ihm offen und Thomas aktzeptiert es und bietet weiter seine Hilfe an. Aber auf Michael ist er extrem wütend (man kann noch darauf eingehen, wie Michael ihn während der Haftzeit behandelt hat). Und als dieser sich ebenfalls bei ihm entschuldigen wollte, lehnt er er ab.

Dann kommt das Problem, denn nun ist Thomas auch noch im Visier des Mörders (natürlich darf man die Begründung nicht vergessen). Und als Thomas vom Revier nach Hause fahren will, schnappt sich der Mörder ihn und entführt ihn. Auf den Weg in ein Wald sieht per Zufall Michael Thomas in dem Wagen und schlägt aus einem Bauchgefühl heraus Alarm.

Nun kann man überlegen, geht man im Wald, wo der Mörder immer seine Opfer zerstümmelt und ermordet ins Detail, also das er Thomas anfängt zu foltern oder kommt man diesen noch zuvor. Auf alle Fälle kann man dann hier Richtung Schluss kommen.

Andreas und Michael retten Thomas das Leben und können endlich den Mörder festnehmen.

Nun gut, dass Ende wirkt schon ein wenig platt, aber theoretisch kann das gehen. Weitere Einzelheiten können dann noch ausgearbeitet werden. Und wenn du möchtest, kannst du das in einer Liste machen und bei der Überarbeitung berücksichtigen.

  • Wie wird sich die Freundschaft zwischen Michael und Thomas nun entwickeln?
  • Können wir davon ausgehen, dass Andreas schwul ist und sich in Thomas verliebt hat?
  • Woher kommt Michales Abneigung gegen Homosexuelle und wird sich das ändern (egal ob positiv oder negativ)?
  • Ist Michael villeicht selber schwul und will das unterdrücken, weil er eben eine Frau und drei Kinder hat?

Das sind mögliche Fragen die man stellen kann. Weiter kann man dann eine mögliche Liste mit Konfliketen aufbauen:

  • Wie geht es in der Ehe mit Andrea und Michael weiter? Häufig werden PolizistInnenehen geschieden, haben wir es hier mit einem solchen Fall zu tun?
  • Der Streit zwischen Thomas und Michael kann sehr gut als Konflikt benutzt werden.
  • Aber auch ein Streit zwischen Thomas und Andreas, immerhin sind sie direkte Partner.
  • Weiterhin kann man ein Konflikt zwischen Andreas Haltung gegenüber Thomas nach dessen Entfernung aus der Untersuchung und dem Vorgesetzten sehen (so von wegen, machst du nicht das was ich will, gibt es Ärger).

Und so weiter und so fort.

So oder so ähnlich können die ersten Schritte sein, wenn du eine eigene Geschichte schreiben möchtest. Sie muss keine Ähnlichkeiten mit der Ursprungsidee haben, denn es kann immer passieren, dass man eine Idee hat und beim genauen hinsehen merkt man, dass sie sich verselbstständigt hat und sich das ganze dann in eine andere Richtung entwickelt.

Und wie du gemerkt hast, ich bin kaum auf die Persönlichkeiten der Charaktere und Zwischenbeziehungen eingegangen. Da muss auch noch mal nachgebessert werden, genauso wie die Motive des Mörders. Weiterhin kann man noch einige Morde einbauen, damit die Geschichte sich entwickeln kann (wenn du über einen Serienmörder schreiben möchtest). Auch die Gründe, warum Thomas auf einmal ins Visier des Mörders geraten ist, muss ausgearbeitet werden. Außer die ganze Geschichte soll oberflächlich sein.

Aber fürs erste sind solche möglichen Zusammenfassungen völlig in Ordnung. Hauptsache du hast erst einmal ein grobes Skript, mit das du arbeiten kannst. Alles andere kommt Stück für Stück.

Und ich gehe mal meine Finger ausruhen, die tun nämlich weh 🙂

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    2 Kommentare

    1. nosupermom said,

      19. Januar 2009 um 16:00

      Toll! Was für ein genialer Text!

      Kannst du eigentlich bestimmte Bücher über das Schreiben empfehlen? Ich gehe auch schon sehr sehr lange mit einem Buch schwanger, aber mir fehlt so ein bisschen der richtige Antritt.

    2. erdwurzelchen Wolfskatze said,

      19. Januar 2009 um 16:06

      Halölle nosupermom,

      es gibt in der Tat einige Bücher die ich mehr oder weniger empfehlen kann. Damit hast du jetzt Schuld, dass ich die Ausrede für einen neuen Beitrag habe, einfach gleich noch einmal vorbeischauen, ich tippe mal kurz alles auf 🙂

      lllg
      erdchen

      P.S. Einfach schreiben, alles andere kommt auch so.


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