XIV Der Turm

Ich habe gestern meine Tarotkarte für diesen Monat gezogen. Wie der Titel schon sagt, handelt es sich hierbei um die Karte sechzehn, also der Turm.

Wenn wir uns die Karte in etwas traditionellere Decks anschauen (einfach zu der Karte runterscrollen bitte), dann sehen wir einen Turm, in dem ein Blitz aus dem Himmel einschlägt (wobei das mit dem Himmel logisch ist, denn woher sollen Blitze sonst kommen ^^) und zwei Menschen stürzen aus dem Turm. Ich habe mal gelesen, dass normalerweise es immer zwei Männer sind, einer ist ein religiöser Führer (wie zum Beispiel der Papst) und der andere ein König.

In modernern Tarotdecks stürzen meistens eine Frau und ein Mann zu Boden. Nicht immer kann man einen religiösen und/oder politisch/königlichen Bezug zu ihnen herstellen. Häufig werden sie im Kontext des Deckes gezeichnet. So findet man eben in Hexendecks zwei Hexen (jaja, eine Hexe und ein Hexer) die aus dem Turm stürzen.

Die Karte steht für einen Umbruch.  Wir haben uns abgesichert, unser Nest gebaut und fühlen uns ganz heimelig und schwupps, wird uns der Boden unter den Füßen weggerissen. Man glaubt sich sicher und dann bricht alles zusammen.

Ich habe mal gelesen, dass der Turm auch für den Turm von Babel steht. Wer sich ein wenig in der Bibel auskennt, weiß, dass die Menschen den Turm gebaut haben um Gott näher zu sein. Und zwar wollten sie ihm zeigen, wie toll und genial sie als Menschen sind und das sie ihm ebenbürtig seien (dir dürfte der Turmbau zu Babel sicherlich etwas sagen). Und weil Gott die Sache nicht so toll fand wie die Menschen, ließ er die Menschen mit anderen Sprachen sprechen und somit konnte sich keiner mehr verstehen und schwupps, stürzte das Ding ein. Im Grunde genommen kann man sagen, dass der Blitzschlag, der den Turm in den traditionellen Decks zum Einsturz bringt, Gott ist, der die Menschen für ihre Überheblichkeit straft.

Mal eine kurze Zwischenbemerkung, hat es dann eine Bedeutung, dass die herunterstürzende Menschen kirchlische und königliche Repräsentanten sind?

Ich sehe das so:

Der Turm geht in die Höhe. In den Himmel, weg von der Erde. Wir vergessen, wo unsere Wurzeln sind. Und der Turm stürzt dann ein, weil wir eben unsere Wurzeln, unsere Herkunft vergessen haben. Als Göttin für diese Karte sehe ich Kali, die Göttin aus dem Hinduismus (und ja, sie gehört zu meinen Lieblingsgöttinnen). Kali steht ja für den Tod und die Vernichtung. Doch gleichzeitig für Ordnung und Geburt. Denn ohne Tod gibt es kein Leben und ohne Leben kein Tod.

Kali, so sehe ich das, reist dich aus deinem Trott, zerstört alles, was du als sicher glaubst, um dir eine neue Möglichkeit zu geben, dein Leben in die Hände zu nehmen und es besser zu machen. Gerade dann, wenn man sich auf den falschen Pfad befindet aber fest daran glaubt, dass man das richtige tut.

Ich hatte zum Beispiel vor einigen Jahren ein Jobangebot und war der festen Überzeugung, dass alles so richtig war. Das war es eben nicht und dank des Turms wurde ich von diesen Weg losgerissen und geheilt, nicht das falsche zu tun.

Der Turm brach ein und zerstörte alles (ich war damals sehr geknickt). Aber letztendlich erwuchs daraus eine neue Hoffnung und eine neue Möglichkeit.

Normalerweise sagen wir in solchen Fällen, es hat nicht so sein sollen. Ich glaube eher, dass es genau so hat sein sollen. So und nicht anders. Natürlich können wir für eine Arbeit schuften, die uns nicht gut tut und uns einreden, dass sie das Beste ist, was uns passiert ist. Spätens beim nächsten Zusammenbruch werden wir dann merken, dass es aber nicht so ist. Und warum soll man nicht schon vorher gewarnt werden?

Aber auch wenn du deine Wurzeln vergisst, zerreißt sie dich und dein Leben und sorgt dafür, dass du wieder auf den Boden deiner Wurzeln kommst, damit du sie in die Erde wieder reinstecken kannst und sie wieder wachsen und Nahrung aufnehmen dürfen.

Also, runter auf die Erde.

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4 Kommentare

  1. 4. Januar 2009 um 15:19

    für mich bedeutet der turm auch: etwas passiert plötzlich. aus heiterem himmel. und ich muß mich reingeben, kann nicht selbst handeln, sondern muß geschehen lassen.

    wegen deines kommentars auf meinem blog: in meinem impressum findest du meine (noch gültige) adresse – magst du zuerst schreiben?

    liebe grüße,

    amala

  2. erdwurzelchen Wolfskatze said,

    4. Januar 2009 um 15:37

    @ amala, stimmt, dass sind auch gute Deutungen.

    Denn wenn mir etwas passiert, was im Sinne des Turms ist, dann geschieht dies aus heiterem Himmel.

    Danke für deine Gedanken.

    Und ich schnappe mir mal deine Adresse 😉 Danke schön.

  3. Luiza said,

    6. Januar 2009 um 14:10

    Hi!

    Da hast Du Dir aber richtig Mühe gemacht. Sehr schöner Text.
    Ich schreibe heute etwas über den Narren. Mache „sonst“ Lenormand, aber irgendwie hat mich die Tarotmanie gepackt… Vielleicht finde ich bei Dir ja mal Denkanstösse:-)

    Viele Grüsse

    Luiza

  4. 6. Januar 2009 um 15:27

    Hallo Luiza,

    danke für dein Kompliment. Ich freue mich immer, wenn ich Denkanstöße bekomme und welche geben kann. Das ist erst einmal ein vorläufiger Text, die Tage kommt noch etwas hinzu. Es ist der Monat des Turms.

    Und du bearbeitest den Narren, Blog ich komme *lachZ*

    lllg
    erdchen


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