Was sind Ausschreibungen?

Wer sich mit dem Schreiben befasst, könnte (nicht müsste) früher oder später auf Ausschreibungen stoßen. Und bevor man sich an den Kopf fässt und nicht weiß, was man davon halten soll, habe ich mir Gedanken darüber gemacht, was ist das überhaupt und tippe die meine Ergebnisse hier frei nach Schnauze.

Wobei ich eins anmerken möchte, dass sind meine Gedanken und müssen nicht in jedem Fall der Realität entsprechen.

So wie ich das jetzt mitbekommen habe, veranstalten eher kleinere Verlage Ausschreibungen, als die großen oder gar ganz großen. Vermutlich liegt das an dem Aufwand, der dabei entstehen kann und sie es sich nicht leisten können oder wollen (ich will nichts unterstellen, dass ist jetzt eine reine Vermutung).

Wenn ein Verlag eine Ausschreibung veranstaltet, dann gibt es dazu ein paar Spielregeln. Hier sind einige, mir bekannte Regeln:

Das Thema

Der Verlag bestimmt das Thema. Das bedeutet schlichtweg, dass sie sagen, schreibt uns Geschichten zum Thema Krimi, Dark Fantasy, Liebe und so weiter und so fort. Es bringt daher nichts, wenn du zu einem Krimithema eine Liebesgeschichte schreibst. Auch wenn du zu dem Thema Liebe (oder was auch immer) eine absolut geniale Geschichte hast, es bringt nichts, sie einzusenden. Die Geschichte würde dann postwendend zurückkommen.

Also schaue nach ob du überhaupt was zum Thema beitragen könntest. Am besten ist es, wenn du zu der Ausschreibung eine eigene Geschichte schreibst. Denn sehr oft gibt es feine Abweichungen wo es fraglich sein kann, ob du wirklich eine Geschichte für zehn verschiedene Ausschreibungen verwenden kannst. Wenn ja, dann gut, wenn nicht, versuch dich ruhig in was neuem.

Vorgaben

Sehr oft schränken die Verlage das Thema noch einmal mit gewissen Vorgaben ein. Das bedeutet, dass bei einer Anthologie noch bestimmte Bedingungen erfüllt werden müssten, damit man in die engere Auswahl kommt. Bei einem Krimi könnte es sein, dass es an einem bestimmten Ort geschieht, bei Dark Fantasy dürfen keine Vampire vorkommen oder bei Liebesromane muss es zum HappyEnd kommen.

Hält man sich nicht an diese Spielregeln, bzw. Vorgaben riskiert man eben auch hier, eine Absage zu bekommen.

Einerseits können die Vorgaben sehr einengend sein, weil man z.B. bei Dark Fantasy ohne Vampire (solche Ausschreibungen laufen übrigens aktuell) nicht weiß, was man schreiben könnte. Andererseits ist es auch eine Herausforderung, denn so kann man sehen, wie viel Fantasie man besitzt um eine Geschichte in diesem Genre zu schreiben und sich an die Vorgaben zu halten. Das kann also auch sehr interessant sein.

Länge

Die meisten Ausschreibungen die ich gesehen habe, erwarten, dass man eine bestimmte Länge nicht überschreitet. Das können Seitenzahlen sein, also das man nicht mehr als fünf oder zehn Din A4 Seiten im Schreibprogramm vollschreibt. Es kann aber auch sein, dass sie sich auf die Zeichenzahl konzentrieren. Also mindestens 10.000 Zeichen oder nicht mehr als 100.000 Zeichen.

Schau dir also bitte gut an, wie hierbei die Vorgaben sind und ob du bereit bist diese zu erfüllen. Denn manche haben das Talent, die können sich extrem kurz halten und schaffen daher die Mindestmenge nicht. Andere schaffen es überhaupt nicht sich kurz zu halten und sprengen die Maximalangaben um Längen.

Solltest du den Text fertig haben und diese Vorgaben nicht wie gewünscht erreicht haben (also zu viel oder zu wenig), überprüfe wo man sinnvoll kürzen oder ausbauen kann. Das Stichwort lautet hier übrigens sinnvoll. Es bringt überhaupt nichts, am wenigsten dir, wenn du anfängst zu schwafeln, nur um eine bestimmte Zeichenzahl zu erreichen. Die Wahrscheinlichkeit das der Verlag das erkennt ist sehr groß (meistens haben sie entsprechende Erfahrung mit Ausschreibungen, wenn sie nicht völlig neu auf dem Markt sind) und erkennen Schwafelgeschichten und schmeißen dich vielleicht am Ende heraus.

Meistens werden die Geschichten in sogenannten Anthologien veröffentlicht, also eine Sammlung von einzelnen Geschichten zu einem bestimmten Thema. Das bedeutet also, dass du neben einiger anderen Leuten in dem Buch stehst und mit ihnen veröffentlichst wird.

Was bringt mit eine Ausschreibung: Pro und Contra

Jetzt werden sich vielleicht einige Fragen, was bitte schön bringt mir eine Ausschreibung? Ruhm, Macht, Geld? Hier liste ich meine persönliche Pro und Contra Liste auf, warum man bei einer Ausschreibung mitmachen könnte und warum nicht. Garniert wird das mit meinen Kommentaren, wie ich die Sache sehe.

Hier ist die Pro Liste

Erfahrung (Wer noch nie oder eher wenige Veröffentlichungen im Leben vorzuweisen hat, kann auf diesem Weg Erfahrungen sammeln, wie schwer/leicht eine Veröffentlichung sein kann).
Experimente (Sehr oft entscheiden sich viele SchrifstellerInnen, sich nur auf einem bestimmten Gebiet zu spezialisieren. So gibt es eben Leute, die nur Krimis schreiben wollen, andere nur Liebesromane. Bei Ausschreibungen kann man sich in einem bestimmten Raum austoben und schauen, wie es ist, wenn man aus dem Gebiet Krimi in die Liebesecke entschwindet oder mal eine Science Fiction Geschichte schreibt.)
Veröffentlichungen (Im Exposé soll man schreiben, wenn man schon etwas veröffentlicht hat. So kann man sagen, ich habe bei einigen Anthologien mitgemacht und wurde auch aufgenommen. Kann besser wirken, wenn die Anthologien auch gut sind.)
Für dich/mich selbst. (Bei den meisten Ausschreibungen bekommt man ein Belegexemplar – mehr weiter unten – und da hat man schwarz auf weiß, dass die eigene Geschichte abgedruckt ist, na wenn das nicht ein geniales Gefühl sein – was mir hoffentlich bald bevorsteht-.)
Du bist einE SchristellerIn (Viele Leute weigern sich Menschen als SchristellerInnen anzuerkennen, die noch nichts veröffentlicht haben. Man ist erst wer, wenn man was veröffentlicht hat. Das man sich vorher aber schon als SchristellerIn fühlt, ist dabei im Grunde nebensächlich. Wenn du aber in einer Anthologie veröffentlichst, dann hast du etwas veröffentlicht und schwupps müssen dich die anderen anerkennen. Ob du darauf wert legst, dass ist was anderes).

Nun kommen wir zu meiner persönlichen Contra Liste (kleine Anmerkung, auch wenn es Contra Liste heißt, so sind die Punkte nicht zwangsläufig als Grund zu nehmen, nie an einer Ausschreibung teilzunehmen).
Fressen Zeit (Sehr oft muss man eine Kurzgeschichte bis zu einem bestimmten Termin eingesendet haben, weil der Verlag nun auch mal Ergebnisse in der Hand haben möchte, damit sie das Buch rausbringen können. Somit setzen sie einen Stichtag fest und entweder hat man bis dahin die Geschichte fertig oder nicht.)
Lenken ab (Man kann Ausschreibungen als Aussrede oder tatsächlichen Zustand benutzen, damit man nicht am Hauptroman schreiben muss. Somit kann man sie als perfekte Ablenkung bezeichnen. Denn in einem Jahr werden so einige Dutzend Ausschreibungen veröffentlicht, von Zeitschriften bis hin zu Verlagen und wollte man an einigen von denen teilnehmen – ich rede mit Absicht nicht von allen, dass wäre dann doch zu viel – dann kann es sein, dass der Roman, an dem man schreibt, nach hinten verschoben wird.)
Nicht die 1. Geige (Man spielt in einer Anthologie niemals die erste Geige, dass sollte man sich bewusst machen. Es kann sein, dass die Geschichte, die man selber geschrieben hat, am besten ankommt, aber man hat einige Mitschreibende, die ebenfalls in dem Buch auftauchen. Man ist also einER von vielen, die auftauchen.)
Es gibt selten bis gar kein Honorar (Erklärung siehe bitte unten)

So, dass sind erst einmal die wichtigsten Punkte für mich, warum man bei einer Ausschreibung mitmachen könnte oder sich entscheidet, das zu verweigern.

Auf zwei Punkte möchte ich noch einmal kurz näher eingehen, da sie für mich zur Erklärung wichtig sein könnten.

Belegexemplar und Rabatt und Honorar

Bei den meisten Ausschreibungen gibt es zumindest ein Belegexemplar. Das bedeutet, man erhält eine Ausgabe des Buches kostenlos. Man sollte eigentlich keine Mindestabnahme des Buches haben (also das man eine bestimmte Menge kaufen muss, aber auch solche Verlage gibt es, ob man sie gleich zu den schwarzen Schafen zählen möchte, weiß ich nicht).

Mit dem Belegexemplar kannst du dir selber sagen, ja, ich habe eine Geschichte geschrieben, die dem Verlag gefallen hat und ich habe sie nun veröffentlicht. Das kann eine einmalige Sache sein, es kann auch sein, dass du in Zukunft Glück hast und es dir immer wieder passiert.

Sehr häufig ist das Belegexemplar jedoch die einzige Bezahlung die du erhältst, denn an einer Anthologie verdient man selten bis gar nichts.

Ein Rechenbeispiel gefälligst? Aber gerne doch ^^

Jetzt nehmen wir mal an (Achtung, ist alles idealisiert), du bist in einer Anthologie mit neun weiteren Person, ihr seit also zu zehnt. Das Buch kostet genau zehn Euro. Normalerweise bekommt man meines Wissens nach zehn Prozent am Verkaufspreis. Bei zehn Euro wäre das also ein Euro Gewinn, den für die zehn AutorInnen abfallen würden. Mag sich vielleicht viel anhören, nur muss dieser Euro dann noch einmal durch zehn geteilt werden, alle wollen ja was vom Kuchen abhaben. Das macht also zehn Cent für dich.

Aber nehmen wir mal an, du bekommst den einen Prozent von den zehnen, die dir als AutorIn zustehen. Dann musst du zehn Bücher verkaufen (bzw. der Verlag) um einen Euro zu bekommen. Hundert Bücher bringen die zehn Euro ein. Und willst du 100 Euro verdienen, musst du immerhin 1000 Bücher verkaufen.

Da die Wahrscheinlichkeit nicht groß ist, dass eine Anthologie wirklich so viele Belege verkauft, kann es sein, dass du vielleicht ein einmaligen Betrag als Honorar für deine Geschichte bekommst und dafür einen AutorInrabatt. Das bedeutet, dass du die Bücher günstiger erwerben kannst und sie dann zum regulären Preis verkaufst.

So kann es sein, dass du dein Buch nur für acht Euro bekommst, dank des Rabattes aber für zehn Euro verkaufst, macht also zwei Euro reinen Gewinn für dich (über Steuern und so weiter müsstest du dich dann mit einem/einer JuristIn beraten, sicher wäre sicher). Dadurch würdest du eher an ein wenig Taschengeld kommen (wenn du das nicht groß aufziehst, ist es nicht gerade wahrscheinlich, dass du mehr als ein Taschengeld daraus bekommst, was aber nicht bedeutet, dass es definitiv unmöglich ist).

So, ich hoffe, ich habe euch eine kleine Übersicht zum Thema Ausschreibungen gegeben. Natürlich bringt es nichts, sich damit auseinanderzusetzen und zu hoffen, in einer zu erscheinen, wenn man sich nicht hinsetzt und an ihnen teilnimmt. Deswegen werde ich immer wieder Ausschreibungen hier direkt verlinken, wenn ich welche finden sollte. Und wer weiß, vielleicht sehen wir uns in einer Anthologie wieder

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