Von Sprache und so weiter

Ich interessiere mich seit einiger Zeit für Sprachen (daher auch die Idee, vielleicht mal Linguisitik zu studieren, aber das mal so nebenbei). Und da bin ich mehr zufällig als gewollt auf die Werke einer gewissen Autorin gekommen: Luise F. Pusch . Über ihre Werke bin ich dann auch zu anderen AutorInnen gekommen.

Doch was will ich denn jetzt damit sagen?

Ich interessiere mich für Sprachen, lach. Ne, Spaß beiseite. Durch Pusch bin ich auf etwas hingewiesen worden, dass mir zwar schon früher aufgefallen war, aber dennoch nicht DEN Stellenwert in meinem Denken hatte, wie heute.

Denn früher ist mir schon oft aufgefallen, dass Frauen mit „er“ oder „jeder“ bezeichnet werden. Und ich meine direkt nur Frauen bzw. auch Frauengruppen, wo kein Kerlchen vorhanden ist. Das ist ja dann noch ein Sonderthema für sich.

Das war letztens auch wieder im Fernsehen. Denn – ich gebe zu meiner Schande mal zu, ja ich schaue Popstars *wörgs* – letztens bei der Popstarssendung meinte dieser Detlef dauernd, jeder von euch beiden und ähnliches. Dabei redete er mit zwei Frauen (oder von mir aus, mit zwei Mädchen, jungen Frauen, jungen Damen, sucht es euch aus).

Auch in einen der letzten Sportstunden, die ich hatte, meinte ein Mädchen, jeder soll dieses oder jenes machen. Die Betonung liegt hier wieder auf „jeder“ und dabei waren wir eine reine Frauengruppe. Die Herren machten in einer anderen Gruppe Sport und waren somit nicht angesprochen.

Woher kommt das eigentlich?

Aber das ist nicht nur im mündlichen Sprachgebrauch zu finden, sondern auch im schriftlichen. So habe ich mal ein Buch gelesen, welche sich scheinbar nur an die Männer richtete. „Der Weg des wahren Reiki Meisters“. Nun gut, ein Männerbuch also, scheinbar nur für ReikianerInnen geschrieben, die dem männlichen Geschlecht angehören. Tja, falsch gedacht. Es ist, wenn wir es mal genau nehmen möchten, ein Buch für männliche Reikianer geschrieben, die schwul sind.

Wie komme ich auf diese bescheuerte Idee?

Naja, wenn dauernd von Männern geredet wird und der soll dann mit Hilfe von Reiki ein Partner finden, auf was für Gedanken kämmt ihr denn eigentlich?
Ganz ehrlich!

Tja, dass die Männersprache scheinbar gang und gebe ist, daran sollte ich mich doch langsam gewöhnen. Etwas verstört reagiere ich dann doch, wenn in Kapiteln oder gar Büchern, die sich eigentlich direkt an Frauen richten, nur bestimmte Teile (wenn überhaupt) in weiblicher Form geschrieben werden, aber sonst immer schön von „er“ oder „ihn“ gesprochen wird. Habe ich da was verpasst? Das liegt aller Wahrscheinlichkeit an der Übersetzung, auch wenn das englisch eher das „he“ kennt und weniger das „she“. Eine sehr geniale Erfindung ist das „s/he“ übrigens.

Nur wenige AutorInnen bzw. die ÜbersetzerInnen machen sich die Mühe, eine neutrale Sprache zu schaffen. Regelrecht aus den Socken hat es mich gehauen, dass in dem neuesten Cunny der Versuch einer neutralen Sprache zu verwenden unternommen wird. So übersetzt Eluan Ghanzal den Originaltext in einer neutralen Form (Hohepriesterin und Hohepriesterin) oder nimmt die weibliche Form (Mitgliederinnen). Über die männliche Anrede kommt sie aber nicht hinweg.

Es scheint aber bei vielen so normal zu sein, dass die Kritik der reinen Männersprache und das mögliche andeuten, mal ein Buch in reiner Frauensprache zu schreiben, bei (zu) vielen, mit einem Aufschrei quittiert wird. Von wegen man würde ja dann die Männer diskrimminieren. So erwähnte ich in einem Forum, dass ich halt die gewählte Sprache in dem Buch von Dahlberg (das Reiki Buch scheinbar nur für schwule Männer) nicht gut fand. Und da kam sofort der Protest, von wegen reine Frauensprache = Diskrimminierung der Männer. Das es andersherum aber schon seit unzähligen Jahren ist und das sich was ändern sollte, da verliert eigentlich so gut wie niemand ein Wort.

Das folgenden Buch bedient sich, so die Aussagen der RezensentInnen (oder sollte ich eher Rezensenten schreiben, dass scheint denen sicherlich besser zu gefallen), der reinen Feminisierung aller Wörter. Und das gefällt vielen nicht. Da wird sogar das Buch an sich schlecht gemacht, weil sie der Meinung sind, so etwas kann doch nicht sein, nur von Autorinnen und Verlegerinnen zu sprechen. Das aber Autoren und Verleger bitterer Alltag sind, daran denken die meisten nicht.

In diesem Beitrag schreibt Luise F. Pusch, dass eine Autorin der genannten Biographie eine Kollegin schlichtweg zum Kollegen machte. Da fragt sich frau (und man vielleicht auch), hat die Autorin, die dort genannt, vielleicht eine Geschlechtsumwandlung hinter sich, dass aus ihr ein Mann wird? Vermutlich weniger, der Name „Mary“ (ein doch recht weiblicher Name, auch wenn einige deutsche den Namen Maria für sich entdeckt haben, äh ich meine natürlich männliche deutsche ^^) ist ja doch eindeutig. Da dürfte bei der Übersetzung etwas schief gelaufen sein.

Ein auch sehr faszinierendes Phänomen ist die Vermännlichung, auch wenn die Frau in der Überzahl ist. So erklärte mir meine Französischlehrerin, dass das Französische ja eigentlich eine so richtig schöne sexistische Sprache sei. Warum, fragen sich vielleicht die eine oder der andere? Sie klingt doch schön und edel? Das tut sie gewiss, und doch belegte sie dies an einem einfachen Beispiel. Wenn man eine Millionen Frauen an einem Ort bringt und dort dann ein Mann verweilt (ich glaube jedoch, dass sie einen männlichen Hund als Beispiel erwähnte), verändert sich die Form zum männlichen hin. Nun, es sei erwähnt, dass das französische eine der Sprachen ist, welche die weibliche, die männliche und die sächliche Form kennt. Und eine reine Frauengruppe, wie die Frau alleine, wird mit der weiblichen Wort angesprochen, eine reine Männergruppe und der Mann mit dem männlichen, logischerweise. Eine gemischte Gruppe aus Frauen und Männer, wird mit dem männlichen angesprochen. Dabei ist es egal, ob es eine Million Frauen und der erwähnte Mann (oder doch Hund?) ist.

Da hat aber meine liebe Französischlehrerin aber eines übersehen? Nicht nur französisch ist in diesem Sinne sexistisch, sondern das deutsche ja auch. So sah ich am Freitag eine Liste in dem Betrieb wo ich mein Vorstellungsgespräch hatte. Es zeigte wohl an, welche der MitarbeiterInnen am erfolgreichsten waren. Es waren sieben Personen aufgelistet. Fünf Frauen und zwei Männer. Einer der Männer war auf dem sechsten Platz und der andere auf dem Ersten. War das der Grund, trotz der Tatsache, dass sie in der Unterzahl waren (immerhin, in Mathe wurde mir folgendes beigebracht 2 < 5, also zwei ist kleiner als fünf), die Liste mit den „erfolgreichsten Mitarbeiter“ betitelt wurde? Denn die beste Frau war ja immerhin mit einigen Punkten schlechter als der beste Mann (sie auf Platz zwei und er auf Platz eins).

Aber auch sonst kommt man nicht immer dahinter, wer mit einem Satz gemeint sein könnte, wenn man liest, 25 Studenten wurden gesichtet, (davon waren 24 Frauen). Ohne solche Zusätze würde man nicht herausfinden, wie viele davon Frauen und Männer sind.

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6 Kommentare

  1. Morrighan said,

    26. Dezember 2008 um 02:56

    Hi Erdwurzelchen 🙂

    Meine Ansicht: Du siehst das absolut richtig mit der männlichen Sprache.

    Es spielt keine Rolle, wo du dieses Thema ansprichst, ob in Hetero- oder in lesbischen Foren, in Frauenforen, es ist überall das selbe. Es mag ein paar Frauen und mit viel Glück auch ein oder zwei Männer geben, die das unterstützen; der Rest hat nur verächtliches abzugeben oder bestenfalls argumentiert er relativ sachlich dagegen.

    Ich sehs als eine Tatsache, dass sich ganz viele negative Zustände unserer Gesellschaft gegen uns Frauen aus eben unserer Sprache ergeben. Welche ein Gehör dafür und das verinnerlicht hat, weiß, was ich meine.

    Sprache ist eine extrem manipulative und subtile Art und Weise, zu vermitteln, was wir über andere denken bzw. was andere über uns denken. Wachsen wir erziehungsbedingt mit dieser Sprache auf – und das tun wir fast alle – fällt es oft schwer, die Hintergründe zu erkennen, sie anzuerkennen, sie umzusetzen und es fällt noch schwerer, öffentlich dahinter zu stehen, denn das bedeutet fast immer, an den Pranger gestellt zu werden und welche will das schon? Wir haben ja alle Angst davor, was werden könnte, wenn wir anders re-agieren als unsere Umgebung das gewohnt ist.

    Ich denke, dass wir uns ja auch nicht von heute auf morgen komplett verändern, was heißt, dass alles Schritt auf Schritt passiert. Teilen wir das von Anfang an unserer Umwelt mit, dann kann sie zumindest teilweise mithalten, sofern ihr an uns liegt.

    Wir verändern uns prinzipiell immer wieder in verschiedene Richtungen. Warum die männliche Sprache hier ein Tabuthema sein sollte, ist für mich nicht einzusehen.

  2. Morrighan said,

    26. Dezember 2008 um 03:33

    *Wozu Frauensprache – oder wer ist der Chirurg?

    „Mitgemeint“ verwischt das Bild der dargestellten Gesellschaft: Patriarchale Sprache trübt durch die rein männlichen Bezeichnungen den Blick auf die sozialen und politischen Gegebenheiten. Das zeigt sehr schön folgendes Rätsel, das ich vor einigen Jahren in einer Gruppe (als einzige Frau unter Männern) gestellt bekam:

    Ein Vater fährt mit seinem Sohn im Auto. Sie haben einen schweren Unfall, bei dem der Vater sofort stirbt. Der Bub wird mit schweren Kopfverletzungen in ein bestimmtes Krankenhaus gebracht, in dem ein Chef-Chirurg arbeitet, der eine bekannte Kapazität für Kopfverletzungen ist.

    Die Operation wird vorbereitet, alles ist fertig, als der Chef-Chirurg erscheint, blass wird und sagt: „Ich kann nicht operieren, das ist mein Sohn!“.

    Frage: In welchem Verwandtschaftsverhältnis stehen der Chirurg und das Kind?

    Die ersten Spekulationen meiner männlichen Miträtsler waren: Der Chirurg ist der Stiefvater oder der Adoptivvater. Der Vater konnte es ja nicht sein, denn der starb ja bei dem Unfall. Als die Testleiterin die genannten Antworten als falsch ablehnte, strengten sie ihre Köpfchen weiter an (immerhin war das ein Test über logisches Denken). Nach einiger Zeit kamen sie dann drauf, dass der Chirurg eigentlich nur die Mutter des Kindes sein kann. Bingo!

    Wir sehen, dass bei patriarchalem Sprachgebrauch (wie in diesem Rätsel) nicht die Möglichkeit in Betracht gezogen wird, das es sich auch um eine Chirurgin handeln könnte. Die Frau ist also nicht mitgemeint! Erst bei längerem Nachdenken kamen die (männlichen) Testprobanden darauf, dass es tatsächlich möglich ist, dass eine Frau den chirurgischen Beruf ausübt.*

    aus webwomen.at

  3. erdwurzelchen Wolfskatze said,

    26. Dezember 2008 um 13:58

    Hallo Morrighan,

    danke für deine ausführlichen Kommentare. Ich muss zugeben, dieser Beitrag ist etwas über zwei Jahre alt. Da ich meine alten Blogs bei einem anderen Anbieter gelöscht habe, habe ich einige wenige Kommentare gerettet.

    Trotzdem stehe ich noch zu dem, was ich da geschrieben habe, sonst hätte ich die Beitrage mit ins Nirvana verschoben ^^

    Was mich bei der ganzen „Männersprache“ stört ist folgende Sache: Frau (aber auch Mann) muss sich folgendes gefallen lassen
    99 Stundentinnen und 1 Student machen 100 Studenten, also eigentlich 100 Männer.

    Aber wehe Mann wird mal in einer Gruppe von Studentinnen mitgemeint, da ist das Geheule bei den Männern aber auch bei den Frauen riesig.

    Oder haben Männer Probleme sich in der Heidenszene als Hexen zu bezeichnen, ist ja zu weiblich. Wir Frauen dürfen uns aber immer wieder gerne mitmeinen.

    Ich werde wohl mal einen neuen Beitrag dazu schreiben 😉

    Aber danke für deine Kommentare, ich finde es immer wieder schön zu lesen, dass man mit dieser Ansicht nicht alleine steht, auch wenn man ab und an das Gefühl hat.

    lllg
    erdchen

  4. Julini said,

    29. Januar 2009 um 17:47

    Hallo,

    ich bin Julini aus dem Yuriforum und stöbere grad ein bisschen deinen Blog durch. 😉

    Ich finde deine Ausführungen recht interessant und gut erklärt und wollte dir deswegen einen Kommentar hinterlassen. 🙂

    Ich sehe kein Problem darin, eine reine Frauengruppe als „Studenten“ bezeichnen. Es ist ja nicht so, als würde „Studenten“ nur Männer beschreiben. Wenn man also über eine Gruppe spricht, in der zufällig nur weibliche Studenten sind, dies aber für diesen Fall keine Rolle spielt, spricht für mich nichts dagegen, sie als „Studenten“ zu bezeichnen. Deswegen finde ich auch nicht, dass Frauen in einer Form wie Studenten „mitgemeint“ sind, sondern dass sie gleichermaßen, wie Männer auch, mit dieser Form beschreiben werden.
    Ich verwende die weibliche Form nur dann, wenn ich betonen möchte, dass es sich um eine Frau handelt.

    Eine Gruppe hingegen, die aus Frauen und Männern besteht, als „Studentinnen“ zu bezeichnen, finde ich unlogisch. Wenn ich das richtig verstanden habe, wurde die weibliche Sprachform extra dafür kreiiert, um Frauen zu bezeichnen, um zwischen beiden Geschlechtern zu unterscheiden. Deswegen kann „Studentinnen“ niemals Männer beschreiben. Hingegen beschreibt die grammatikalisch männliche Sprachform nicht automatisch nur Männer, nur weil es eine weibliche Sprachform gibt.

    In Bezug auf die verschiedenen Sprachen finde ich auch interessant, dass die Bedeutung männlicher und weiblicher Sprachformen so variiert.
    – Die deutsche Sprache hat ein Maskulinum und ein Femininum, wovon das Maskulinum als neutrale Form verwendet wird.
    – Bei der französischen Sprache ist das sehr ähnlich, wobei es da glaube ich nicht möglich ist, eine Gruppe Frauen mit einer neutralen Form zu bezeichnen (hier wird eben sehr stark Wert darauf gelegt, welches Geschlecht eine Person hat, über die man redet)
    – Im Englischen gibt es fast nur neutrale Formen, wenige Wörter haben aber eine männliche und weibliche Form und
    – Im Schwedischen (vielleicht wars auch Norwegisch, bin mir nicht sicher) gibt es zwar auch beide Formen, hier wird aber die weibliche Sprachform immer seltener verwendet, sodass die männliche Sprachform als immer neutraler angesehen wird.

    Ebenfalls interessant finde das Experiment, von dem Morrighan erzählt hat. Wobei ich mich hierbei frage, ob das Ergebnis nicht eher davon beeinflusst wurde, dass Chirurgen häufiger Männer als Frauen sind (oder es in der Vergangenheit waren). Aber es ist schwer, so ein Experiment auszuwerten, wenn man nicht alle Einzelheiten über das Zustandekommen des Ergebnisses kennt.

    Viele Grüße,
    Julini

  5. erdwurzelchen Wolfskatze said,

    29. Januar 2009 um 17:52

    Hallo Julini,

    es gibt Forschungen, die klar bestätigen, das Gruppen, die nur männlich geprägt sind, auch gleichzeitig die Assoziation hervorrufen, dass es auch nur Männer sind. Sprich, rede ich von einer Studentengruppe, kann es möglich sein, dass auch Frauen mitgemeint sind, aber unser Gehirn denkt, hei, dass ist männlich (ich glaube nicht, dass männlich neutral ist, sondern eben männlich) und fertig aus.

    Aber sonst, viel Spaß hier 🙂

    lllg
    erdchen

    P.S. Ich werde mal den Beitrag aktualisieren, denn der ist auch schon wieder zwei Jahre alt.

  6. Julini said,

    29. Januar 2009 um 18:14

    Hi erdwurzelchen,

    bei Gruppen, die männlich geprägt sind, finde ich das einleuchtend. Aber Studenten sind ja schon seit einer Weile nicht mehr nur männlich, es gibt genau so viele Frauen, die studieren (hab keine Zahlen vorliegen, aber meine mich erinnern zu können, dass es so ist). Also ist eine Studentengruppe nicht (mehr) männlich geprägt.
    Wenn ich das Wort Studenten höre, denke ich nicht „oh, das sind Männer“, sondern „oh, das sind Menschen, die studieren / die an der Uni eingeschrieben sind“. Was für ein Geschlecht diese haben, spielt für mich bei dem Gedanken keine Rolle.

    Vielen Dank. 🙂 Ich schau mal bei Gelegenheit wieder vorbei, wenn du den Beitrag aktualisiert hast.

    Viele Grüße,
    Julini


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