Selbstverständnis und Selbstverständlich

In den letzten Tagen habe ich zwei Dinge erlebt, die für mich einerseits selbstverständlich sind, andererseits doch zum nachdenken gebracht haben.

Am Donnerstag bin ich zur Uni gelaufen (also von der U-Bahn zum Gebäude, wo mein Grundkurs ist) und da kam mir eine Rollstuhlfahrerin entgegen. Wie immer, habe ich ihr Platz gemacht, weil man schon sehen konnte, das sie es schwer hatte, sich fortzubewegen. Und für mich ist es normal, da ich es leichter habe, eben Platz zu machen.

Aus irgendwelchen Gründen hat sie mich dann gefragt, ob ich sie nicht ca. zwanzig Meter zur ihrem Gebäude fahren kann, wo sie studiert. Für mich absolut selbstverständlich. Sie hat mein Beutel genommen, ich die Griffe ihres Rollstuhls und los ging es. Ich muss sagen, der Rollstuhl war leichter als ich erwartet habe. Aber da ich 1,73 Meter groß bin, musste ich mich dieser Version sehr weit runterbeugen. Für diese einmalige Aktion, bzw. für gelegentliche Hilfen, geht das noch. Aber wenn ich das öfters machen müsste, ich würde da sicherlich Probleme bekommen. Also ich persönlich finde diese Konstruktion nicht sonderlich attraktiv.

Da viel mir ein, dass in einer Sendung der große Test gemacht wurde (was man immer auch unter groß verstehen mag), wer denn hilfsbereiter sei, Frau oder Mann. Frauen und männliche Ausländer, wo der Respekt z.B. vor alten Menschen noch sehr groß ist, waren am hilfsbereiten. Und ehrlich gesagt, ich verstehe das nicht so ganz. Wieso sollte ich nicht mal den Platz frei machen, einer Frau im Rollstuhl (gerade zu der Jahreszeit, ich kann nur erahnen, was für Schwierigkeiten sie da hatte) oder in ähnlichen Situationen, nicht helfen?

Gestern war ich dann ein wenig draußen, Lichter am Ku’Damm sehen und ein bisschen in den Läden schauen. Natürlich war ich auch in einem Buchladen, in meiner geliebten Tarot/Esoterikecke und da war eine Frau, die eine Verkäuferin wegen dem Thoth Tarot was fragen wollte. Und da geschah etwas für mich untypisches. Ich habe mit der ein Gespräch geführt und der erklärt, was es mit den drei Magiern, die in den alten Decks von Crowley/Harris noch waren, heute auf sich hat. Ich habe nicht gezittert, bin nicht über meine Zunge gesolpert, dass war eine Prämiere für mich.

Das mag sich für einige banal anhören, aber es ist nun einmal so, dass ich trotz meines Alters, eher ein schüchterner Mensch bin und daher gewisse Probleme habe, auf andere Leute zu zugehen und mit denen ein Gespräch anzufangen. Aber das, was mir gestern passiert ist, dass war etwas für mich tolles 😉

Und nun ja, ich konnte es natürlich nicht lassen und habe mir ein Tarotdeck gekauft. Es hat mich so angegrinst und gesagt „Kauf mich, Kauf mich“. Und da ich noch ein Gutschein von meinem Geburtstag hatte, bin ich dem Ruf gefolgt.

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2 Kommentare

  1. Alruna Apaika said,

    14. Dezember 2008 um 14:28

    Eigentlich sollte gegenseitige Rücksichtnahme wirklich selbstverständlich sein. Aber vielleicht hilft es ja schon, als gutes Beispiel etwas vorzuleben. Das gilt beim Auto fahren genauso, wie beim einfachen Tür aufhalten. Jedes Lächeln, das man einem anderen ins Gesicht zaubert, bringt mehr Licht in diese Welt 🙂
    Danke für Deinen Eintrag.

  2. amala said,

    14. Dezember 2008 um 14:34

    nun ja, die frage, wer am hilfsbereitesten ist, kann man wohl nur je nach situation beantworten. je nachdem, wer die hilfe bräuchte. einer mutter mit kinderwagen, die in einen bus einsteigen will, wird eher geholfen als einem menschen im rollstuhl – meine subjektive erfahrung als rollstuhlfahrerin. ich kann nur mutmaßen: vielleicht haben die leute angst, bei einem behinderten menschen etwas falsch zu machen, etwas „kaputt“ zu machen, ihm wehzutun. der kinderwagen aus obigen beispiel ist in meinen augen kommunikationsfördernd (weil: „ist es ein junge oder ein mädchen? und wie alt? oh, wie süß“ und so), der rollstuhl kommunikationshemmend („man kann ja nicht einfach fragen, wieso derjenige im rolli sitzt, das wäre aufdringlich“ etc.).

    lg,

    amala


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