Wenn ich mehr Zeit hätte …

… dann würde ich auch schreiben!

Ich vermute mal, wer sich mit dem Schreiben von Kurzgeschichten, Romanen jeglicher Art oder auch Sachtexte beschäftigt, dürfte diesen Satz mindestens einmal gehört beziehungsweise im Internet gelesen habe.

Ich würde auch gerne schreiben, habe aber dafür keine Zeit …

Bei diesen und ähnlich gearteten Worten geht mir ab und an schon die Hutschnur hoch. Klar, ich habe auch so viel Zeit, dass ich es mir leisten kann diese abzuzwacken um eben zu schreiben. Manchmal komme ich mir vor, als wäre ich der einzige Mensch mit Freizeit, während meine Umgebung hart schuftet. Wohlmöglich schuftet meine Umwelt sogar noch für mich sehr hart *hüstel*.

Das ich neben dem Schreiben auch noch ein vierzig Stunden Job habe, dass ich nicht im luftleeren Raum existiere und somit auch private Verpflichtungen habe und so weiter und so fort, dass scheinen manche gerne zu vergessen, wenn sie mitbekommen, dass ich schreibe. Ach ja, ich habe ja so viel Zeit.

An dieser Stelle möchte ich eins klar stellen: Nein, ich habe nicht viel Zeit, ich habe genauso viel Zeit wie ihr (demnächst sogar weniger, wenn mein Fernstudium anfängt), aber im Gegensatz zu vielen nehme ich mir schlichtweg die Zeit zum schreiben.

Andere, die mir das ab und an vorhalten arbeiten dafür an Internetseiten, gehen lieber chatten, haben ihre Browserspiele (was mich auch dazu verführt, noch einen Beitrag zu diesem Thema zu schreiben) oder sitzen gelangweilt vor der Glotze, schauen sich irgendwelche DVDs an oder machen gar nichts (gerade da finde ich es lustig, wenn es heißt, ich habe gar keine Zeit, dafür aber stundenlang im Chat verbringen, ja klar).

Ich habe aber das Gefühl, dass in erster Linie der schreibenden Bevölkerung einiges, ich sage es mal so plump, vorgeworfen wird. Das geht nicht nur darüber, dass sie ja so viel Zeit hätten, sondern auch besonders viel Talent, dass sie einsame Menschen wären, dass sie dieses und das sie jenes sind, tun, machen oder auch nicht machen.

Manche glauben ja auch, dass ein Roman genauso leicht zu schreiben sei, wie man ihn liest. Das sich hinter zweihundert Seiten durchaus ein Jahr arbeit befinden kann, daran denken die wenigsten (ich gebe zu, bevor ich richtig mit dem Schreiben anfing, habe ich mir auch keine Gedanken gemacht, was alles zum schreiben eines Romans gehört). Und ich kann mir nur vorstellen, dass viele das Bild der Schreibenden Bevölkerung vor Augen haben, wie sie am PC oder der Schreibmaschine sitzen und einfach drauf los tippen. Eine Seite nach der anderen und irgendwann sind sie fertig, dann geht es ab in die Druckerei. Das nebenbei viele von Selbstzweifel geplagt sind, sich permanent fragen, was sie bei allen Dämonen der Unterwelt da eigentlich tun (ich zumindest) und Angst haben, dass sie nur Mist schreiben (gnagna), daran denken nur die wenigsten. Und dann muss man sich auch noch Sprüche anhören: Schreiben ist ein Talent, dass kann man nicht lernen. Oder eben der Klassiker, man habe ja doch so viel Zeit.

In dem Sinne, ich gehe mal meine Zeit verschwenden.

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